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Thesen

am September 27, 2012 — in der Rubrik: Thesen

 

 

 

Thesen zu Verlust und Wiederentdeckung der Kindheit – 2012

„Ich habe während der letzten Jahre festgestellt, dass die Kinder immer jünger werden, die an meine Konzerte kommen. Meinen Kollegen geht das genau so. Was bedeutet das? Ich habe dazu 14 Thesen formuliert. Während des Kinderliedermacherkongresses in Hamburg vom 25.-27. September werden diese Thesen diskutiert.“
=> www.kinderlied-kongress.de/kongress.html.
Bardill wird sie an einem Elternworkshop am 14. November in der Kartause Ittingen verbunden mit Liedern Geschichten und Erlebnissen vorstellen“

1. Analyse (wie beurteilen wir die Situation)
2. Gründe (warum ist es so weit gekommen?)
3. Wie weiter ? (welche Gegenstrategien sehen)

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Zeitungsartikel zu diesem Thema


Limmattaler Zeitung – März 2012


Zeitungsartikel Südostschweiz – Janaur 2011


„Pädagogik kann man vergessen“


„Lebensfreude nicht ersticken“

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Als ein Teil der Erwachsenen, die in einer ganz spezifischen und innigen Weise mit Kindern zu tun haben, als Kinderliedermacher schlagen wir Alarm:

Analyse

1. Die Kinder, die an unsere Konzerte kommen, werden immer jünger. Kaum aus der Kinder Spielgruppe werden sie schon von der Erwachsenenwelt, ihrer Musik und Unterhaltungsindustrie geködert und auf Erwachsen getrimmt.

2. Unseren Kindern kommt immer mehr und früher die Kindheit abhanden. Unter Kindheit stellen wir uns das Alter der Menschen vor, in dem sie gebildet werden, in dem sie Erfahrungen sammeln, in dem sie Kind sind. Kind sein heisst, in einem geschützten Raum aufwachsen zu dürfen, in dem Fantasie und Unbekümmertheit, Spiel und Kennen lernen der Welt möglich ist, ohne mit den Problemen und den selbstbezogenen Absichten der Erwachsenen wie Kommerz oder Egoproblemen zugeschüttet zu werden.

3. Kinder haben das Recht auf ihre eigene spezifische seelische Entwicklung. Diese Entwicklung wird entweder nicht unterstützt oder übermotiviert forciert, indem die Kinder immer früher zu kleinen Erwachsenen gemacht werden.

4. Dies geschieht durch Intellektualisierung, Kommerzialisierung und Entsinnlichung der Kinder. Anstatt dass die Erwachsenen den Kindern Räume schaffen und Erziehung gestalten, überlassen sie sie den Flatscreens, der Werbung und einem Heer von pädagogischem Personal, das die Kinder analisiert und dann therapiert, anstatt sie im obigen Sinne zu erziehen.

Mögliche Gründe:

5. Die Gründe dafür sind vielzählig. Einer der Hauptgründe ist, dass die Erwachsenen ihr eigenes inneres Kind verdrängen, es vergessen oder verloren haben. Darum setzten sie Kindern immer mehr Realitäten und Themen, Dingen und Problemen aus, mit denen die Kinder überfordert sind und in ihrer Entwicklung gehemmt statt befördert werden.

6. Weitere Gründe sind: Immer weniger Freiräume, in denen die Kinder mit anderen Kindern ihre Welt gestalten und entdecken können. Immer mehr Kinder bewegen sich nicht oder zu wenig, werden gefahren, werden vor Bildschirme jeder Art gesetzt. Es fehlen Bezugspersonen, die ausserhalb der Kleinfamilie leben und ein Teil des Daseins der Kinder mit gestalten.

7. Immer mehr fehlt der Bezug zum Geheimnis der Welt. Die Schönheit und Würde der Erde, der Natur, der Tiere und Pflanzen, der Jahreszeiten und der Kunst wird viel zu wenig erfahren.

8. Der Verlust an Ritualen, an Sicherheiten für die Kinder ist galoppierend.

Gegenstrategien:

9. Als Gegenstrategien fordern wir Freiräume für Kinder, wo Fantasie und Spiel nicht interessengesteuert sind.

10. Wir fordern für die Kinder Rituale und Erziehungsbereitschaft ein, die ihnen Sicherheiten und Leitplanken geben.

11. Wir fordern eine Beschränkung der Zeit, in denen Kindern virtuellen Realitäten (Flatscreens) ausgesetzt werden.

12. Kinder brauchen Liebe, Rituale, Sicherheit, Grenzen, Freiraum, andere Kinder, andere erwachsene Bezugspersonen ausser den Eltern, Tiere, sinnliche Welterfahrung.

13. Als Erwachsene brauchen wir Bewusstsein über unsere Egoproblematik und die Pflege unseres eigenen inneren Kindes.

14. Kinder brauchen Geschichten, Lieder, Theater, Bilder, die für sie geschaffen sind, sie anregen, prägen, inspirieren und beflügeln. Diese Art von Bildung bedarf der Unterstützung nicht nur in den institutionalisierten Einrichtungen, sondern auch in jeder Familie, in der Unterhaltungsindustrie (incl. Radio und Fernsehen) und in der gesamten Gesellschaft.

Lesen Sie einen von Bardill empfohlenen
Zeitungsartikel zu diesem Thema.

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Gegen den Verlust der Kindheit – Workshop

Was Kinder (und Erwachsene) brauchen
„Unseren Kindern kommt immer mehr und früher die Kindheit abhanden“, so der Liedermacher Linard Bardill. „Kinder haben das Recht auf ihre eigene spezifische Entwicklung. Diese Entwicklung wird entweder nicht unterstützt oder aber forciert, indem die Kinder immer früher in die Welt von Verstand, Kommerz und Abstraktion gezogen werden.“ Bardill sieht eine Hauptursache darin, dass die Erziehenden ihr eigenes inneres Kind vergessen haben. Sein grosses Anliegen ist die Wiederentdeckung der Kindheit. Er wird seine Thesen in Form von Liedern und Geschichten formulieren und seine Erfahrungen mitsingleicht vermitteln, immer uns und unseren Kindern auf der Spur.

Im zweiten Teil des Abends spannt der Liedermacher mit dem Pädagogen Jan-Uwe Rogge zusammen, dessen Bücher zu Bestsellern wurden. Rogge spricht aus seinem reichen Erfahrungsschatz zum Thema „Was Kinder heute brauchen“.


 
 
 
 


2 Gedanken zu „Thesen

  1. Mir ist nicht ganz schlüssig, inwiefern die Ausgangsbeobachtung, dass immer jüngere Kinder an die Konzerte, mit den Gründen 5 – 8 zusammenhängt. Mein Sohn isi viereinhalb Jahre alt (und bestimmt kein Wunderkind!), und im vergangenen Winter bin ich zum ersten Mal mit ihm in die „Zauberflöte“ gegangen. Er sass drei Stunden wie gebannt auf seinem Sitz und wollte nicht mal in der Pause raus. Am nächsten Abend wollte er sofort wieder hin. Ich musste mit ihm immer wieder die DVDs anschauen (weil ich ja nun auch kein Krösus bin und meinen gesamten Lohn in die Oper tragen kann) und ein halbes Jahr lang ging er ausschliesslich als Vogelfänger gewandet in die Kinderkrippe. Bei den Jazztagen in Lichtensteig protestiert er lautstark, wenn es wieder nach Hause geht. Und wie gesagt, er ist bestimmt nicht übermässig musikbegabt – seine Ukulele pflegt er mit Playmobil-Piraten zu füllen und als Rassel zu verwenden. In der Buchhandlung war er es, der die CD „Mia flotta Lisalotta“ haben wollte – wegen des lustigen Bild drauf, und wir mussten sie gestern und heute je mindestens 10 mal nacheinander hören. Er hat mich sozusagen mit Linard Bardill bekannt gemacht, sonst hätte ich gar nicht diese Website besucht (na gut: Ich kannte ihn schon aus der COOP-Zeitung, aber hatte nicht gesehen, von wem die CD war, als ich sie kaufte, ehrlich!). Heute hat Max nun gefragt, ob wir nicht auch mal „in so ein Konzert“ gehen wollen – aber nach dem Lesen der These 1 fürchte ich, dass ihm dann seine Kindheit abhanden kommt, und das will ich ja auch nicht …
    Oder sind die „immer jüngeren“ Kinder noch jünger? Max‘ Schwester Julika ist zwei, und ich habe sie noch nie so verrückt tanzen und lachen sehen wie zu dieser CD, abgesehen davon, dass sie gestern anhand des Begleitbüchleins das Wort „Sonne“ neu gelernt hat – sie traue ich mich nun schon gar nicht mitzunehmen, und beide müssen also leider weiter CDs hören und DVDs schauen. Ich glaube, ich lasse mein inneres Kind auch zu Hause (vielleicht ist es auch noch zu jung), dann können die drei super zusammen spielen und ich kann mal ohne das Gefühl, irgend jemandem die Kindheit zu klauen, an ein Linard Bardill-Konzert gehen. ich finde die CD nämlich auch ganz toll!

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