Öffentlich zugänglich, jeweils Freitag 13'00 - 17'00 Uhr
Das neue Buch über das Atelier Bardill bei der Edition Simonett hier bestellen.

Der Liedermacher und Autor Linard Bardill hat sich einen Lebenstraum erfüllt.

Er ist Liedermacher, Autor, Geschichtenerzähler und Bauherr. In Scharans im Domleschg hat Linard Bardill mit dem Architekten Valerio Olgiati mitten im Dorf ein Haus gebaut, das Aufsehen erregt.

Markus Rohner / Scharans

Auf der Internetseite von Scharans ist unter dem Titel "Sehenswertes" wenig zu lesen: Diese Seite wird noch ergänzt. Mag sein, dass der Webmaster der Gemeinde solang gewartet hat, bis Linard Bardill sein ausgefallenes Atelierhaus mitsamt Garten fertig gebaut hat. "Seit Jahren träumte ich von einem Ort, wo ich mich zurückziehen und arbeiten kann", sagt der Liedermacher im Garten seines altehrwürdigen Wohnhauses hoch über dem Domleschger Talboden. In diesen Tagen ist der Traum wahr geworden. Der Rebell aus Romanischbünden, der Theologie studiert hat und später mit kritischen Liedern und Texten mancher Obrigkeit auf die Füsse getrampelt ist, scheint im Alter von 50 Jahren seinen Platz gefunden zu haben.

Das Dorfgespräch und der Architekt

Scharans ist eine von zwölf Gemeinden im Domleschg und zählt 800 Einwohner. Ein behäbiges Dorf mit attraktiven Wohnlagen. Wenn jetzt Bardill, der seit zwölf Jahren hier lebt, einen alten Holzstall abreisst und an der exakt gleichen Stelle ein modernes Atelierhaus aufbaut, gibt das im Dorf zu reden. Ein rot eingefärbtes Betonhaus ohne Fenster und Dach, dafür mit 150 unterschiedlich grossen Rosetten bestückt. „Der Bau dieses Hauses war ein Prozess, der uns fünf Jahre lang beschäftigt hat“, sagt der Liedermacher. Unzählige Projekte habe man im Kopf entstehen und wieder sterben lassen. Der bekannte Architekt Valerio Olgiati ging mit dem Künstler einen Weg über fünf verschiedene Projekte, bis er bei einem eigentlichen Antihaus angelangt war. Ein Haus sozusagen ohne Fenster und ohne Dach, vorerst schüttelte man den Kopf, konnte die Baustelle nicht verstehen. Die Radikalität von Olgiatis Idee bestach und verwirrte zugleich.

Nach 18 Monaten Bauzeit ist nun mitten im historischen Kern von Scharans, wo einst Jürg Jenatsch seine erste Anstellung als Pfarrherr gefunden hatte, eines der ungewöhnlichsten Häuser Graubündens entstanden. Der Gemeinderat hatte lange über den Bauplänen gebrütet. Die Tatsache, dass das Haus in Beton gebaut werden sollte, war eine dicke Kröte. Die Erdfarbe half dabei, sie zu schlucken, die Rosetten wohl ebenfalls. Der grosse Teil des Geldes und des baumeisterlichen Aufwands wurde in die äussere Hülle gesteckt. Denn das eigentliche beheizte Atelier/Studio ist nur 60 Quadratmeter gross. Davor befindet sich der doppelt so grosse Ateliergarten, umgeben von fensterlosen Mauern und Giebeln. Wer das Haus von aussen betrachtet, bekommt nur rote Betonwände und schöne Ornamente zu sehen. Durch die grosse Öffnung in der Frontfassade sieht man hinauf in den Kreis, der den Garten begrenzt. Auch dieser Blick verwirrt und begeistert zugleich.

Keine Provokation

Scharans, seine Menschen und die Landschaft im Domleschg sind Bardill ans Herz gewachsen. Der freche Hausbau sei daher alles andere als eine Provokation oder ein permanentes Ärgernis, das er seinen Mitbürgern vor die Nase setzen wollte. "Ich bin ein Teil dieser Dorfgemeinschaft und brauche wie jeder andere auch die Akzeptanz der Bevölkerung."
Das Atelierhaus soll für den Künstler zu einem Ort werden, an den er sich zurückziehen kann und seine Ruhe findet. Es gibt mir die Möglichkeit, mich nach innen wie nach aussen zu bewegen.„ An einem Tag der offenen Tür hat er die Scharanser eingeladen, bei ihm vorbeizuschauen und einen Blick ins Innere dieses ungewöhnlichen Hauses zu werfen.
Die Jury von Hochparterre und Schweizer Fernsehen bedachte Olgiatis Werk schliesslich mit dem bronzenen Hasen in der Sparte beste Häuser des Jahres 2007. Und in der Edition Dino Simonett erschien ein wunderschönes Buch über das „House for a musician“ in Scharans.

Es war ein grosser finanzieller und geistiger Lupf, den Bardill da gewagt hat. Ein Glück für ihn, dass er auch nach mehr als zwei Jahrzehnten auf der Bühne immer noch gefragt ist. In erster Linie bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. An 120 Tagen im Jahr ist er auf Konzerten unterwegs. Vorwiegend in der Schweiz und im benachbarten Ausland. Gerade ist er von mehrwöchigen USA - und England-Tourneen zurückgekehrt, wo er mit Sinfonieorchestern Erfolge feierte. Beim Zürcher Tonhallenorchester ist er ein regelmässiger Gast und seine Kindergeschichten werden immer wieder im Radio gesendet.
Sein Atelier will er im Sommer auch ab und zu für das Publikum öffnen und Konzerte oder Theater organisieren.

Der Zwetschgenbaum

Im Alter von 50 versucht Linard Bardill als Sänger, Autor, aber auch als Vater zweier kleiner Kinder die Welt neu wahrzunehmen. Der Linksaktivist von einst ist ruhiger und gelassener geworden. "Ich mache nur noch das, was ich muss", sagt er am Schluss des Gesprächs. Und dazu gehöre beispielsweise, mit dem alten Zwetschgenbaum in seinem Garten ein gutes Verhältnis pflegen. So, wie er das mit den Scharansern auch haben möchte.

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