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Die Insel in der Südostschweiz

am Oktober 31, 2019 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel,Insel

31.10.2019 in der Südostschweiz

 

  

Tina Ullmann Aargauer Zeitung

Charles Lindsmayer im Bielr Tagblatt

Von der Suche nach Erkenntnis

Im Gedichtband «Die Insel» erzählt Linard Bardill von einem berührenden Einweihungsweg im Spiegel von Sterben und Tod.

von Christian Ruch

Linard Bardill ist nicht nur ein Komponist und Sänger lustiger Kinderlieder. Der Künstler aus Scharans ist auch ein Mensch, der sich sehr intensiv mit den existenziellen Fragen des Daseins befasst, etwa den Themen Sterben und Tod. Am Wochenende vom 9. und 10. November bietet er eine Tagung mit dem Titel «Sterben für Anfänger oder die Kunst, am Leben zu bleiben» an, die sich dem gemeinsamen Nachdenken um das Werden, Sein und Vergehen widmet.

Und Bardill hat ein sehr beeindruckendes Werk veröffentlicht: «Die Insel», so der Titel, bietet einen «Zwölf Tage Gesang». Es ist scheinbar eine Art Vermächtnis, denn leitmotivisch ist am Anfang der Tage immer wieder die Rede davon, dass der Verfasser bereits verstorben ist, wenn jemand, den Bardill als «fernen Begleiter» bezeichnet, das Buch in Händen hält. Es ist also keine Zeit mehr für leeres, oberflächliches Geschwätz. Und so sind die Gedichte von einer aussergewöhnlichen, zarten Schönheit, wie sie nur jemand entstehen lassen kann, der sich mit dem Sterben auf die eindringlichste Weise, die überhaupt nur möglich ist, auseinandergesetzt hat. Um «Endlichkeit zu vernehmen, / sterben zu lernen, / darum kam ich hierher auf die Insel», schreibt Bardill.

Heitere Gelassenheit

Das Sterben hat seinen Schrecken verloren, mehr noch, es ist Quelle des Trostes. Bereits am ersten Tag heisst es: «Nichts ersehnen wir Menschen / mehr als Trost, / und mein Trost ist der Zuspruch, / dass wir sterblich sind. / Stelle ich mir vor, / es gäbe für mich keine Endlichkeit, / wie verzweifelt wäre ich, / der einzige und allein.» Solche Zeilen liegen völlig quer in einer Zeit der immer raffinierteren Lebensverlängerungsmaschinerie in den Spitälern. Doch Bardill kennt eine geradezu heitere Gelassenheit angesichts des unausweichlichen Gangs alles Lebendigen: «Was soll ich mich fürchten / vor dem Unentrinnbaren? / Alles ist gut. Nichts hält dich fest. / Wir sind gehalten.»

Diese Erkenntnis ist Teil eines quasi gnostischen Prozesses, den Bardill als «Rückeroberung meiner Aufmerksamkeit» bezeichnet und die das Motiv für die «Flucht auf die Insel» ist: «Wenn ich nur wüsste, was es bedeutet / aufzuwachen!» Bardill rezipiert die grossen Mythen der Menschheitsgeschichte, in denen es auch immer wieder um das Erwachen zur Erkenntnis geht. Das ist weit entfernt von der heutigen Wohlfühl- und Gebrauchsesoterik in Form marktgerechter Instant-Erleuchtung für Spiritualitätskonsumenten, sondern ein mitunter harter und schmerzhafter Einweihungsweg, eine Initiation zum Wach-Sein in Gestalt des Ringens mit sich selbst: «Schrecken und Zerstörung? / Geh durch sie hindurch, / sagt die Erfahrung, / durch die Hölle, wenn sie deine ist. / Doch fremde Höllen meide, / du kannst sie nicht ertragen.»

Man kann Bardill nur wünschen, dass dieser wunderbar intime Einweihungsweg der zwölf Tage auf der Insel eine Spur legt, der möglichst viele zu folgen bereit sind. Dass möglichst viele den Mut haben, in diesen Spiegel zu blicken, der Erkenntnis heisst.

Linard Bardill: «Die Insel – Wirf dich den Wolken zum Frass vor». Verlag Drachäleon / Sound Service. 132 Seiten. 24.90 Franken. Das Buch erscheint am 14. November.

Von der Suche nach Erkenntnis

Im Gedichtband «Die Insel» erzählt Linard Bardill von einem berührenden Einweihungsweg im Spiegel von Sterben und Tod.

von Christian Ruch

Linard Bardill ist nicht nur ein Komponist und Sänger lustiger Kinderlieder. Der Künstler aus Scharans ist auch ein Mensch, der sich sehr intensiv mit den existenziellen Fragen des Daseins befasst, etwa den Themen Sterben und Tod. Am Wochenende vom 9. und 10. November bietet er eine Tagung mit dem Titel «Sterben für Anfänger oder die Kunst, am Leben zu bleiben» an, die sich dem gemeinsamen Nachdenken um das Werden, Sein und Vergehen widmet.

Und Bardill hat ein sehr beeindruckendes Werk veröffentlicht: «Die Insel», so der Titel, bietet einen «Zwölf Tage Gesang». Es ist scheinbar eine Art Vermächtnis, denn leitmotivisch ist am Anfang der Tage immer wieder die Rede davon, dass der Verfasser bereits verstorben ist, wenn jemand, den Bardill als «fernen Begleiter» bezeichnet, das Buch in Händen hält. Es ist also keine Zeit mehr für leeres, oberflächliches Geschwätz. Und so sind die Gedichte von einer aussergewöhnlichen, zarten Schönheit, wie sie nur jemand entstehen lassen kann, der sich mit dem Sterben auf die eindringlichste Weise, die überhaupt nur möglich ist, auseinandergesetzt hat. Um «Endlichkeit zu vernehmen, / sterben zu lernen, / darum kam ich hierher auf die Insel», schreibt Bardill.

Heitere Gelassenheit

Das Sterben hat seinen Schrecken verloren, mehr noch, es ist Quelle des Trostes. Bereits am ersten Tag heisst es: «Nichts ersehnen wir Menschen / mehr als Trost, / und mein Trost ist der Zuspruch, / dass wir sterblich sind. / Stelle ich mir vor, / es gäbe für mich keine Endlichkeit, / wie verzweifelt wäre ich, / der einzige und allein.» Solche Zeilen liegen völlig quer in einer Zeit der immer raffinierteren Lebensverlängerungsmaschinerie in den Spitälern. Doch Bardill kennt eine geradezu heitere Gelassenheit angesichts des unausweichlichen Gangs alles Lebendigen: «Was soll ich mich fürchten / vor dem Unentrinnbaren? / Alles ist gut. Nichts hält dich fest. / Wir sind gehalten.»

Diese Erkenntnis ist Teil eines quasi gnostischen Prozesses, den Bardill als «Rückeroberung meiner Aufmerksamkeit» bezeichnet und die das Motiv für die «Flucht auf die Insel» ist: «Wenn ich nur wüsste, was es bedeutet / aufzuwachen!» Bardill rezipiert die grossen Mythen der Menschheitsgeschichte, in denen es auch immer wieder um das Erwachen zur Erkenntnis geht. Das ist weit entfernt von der heutigen Wohlfühl- und Gebrauchsesoterik in Form marktgerechter Instant-Erleuchtung für Spiritualitätskonsumenten, sondern ein mitunter harter und schmerzhafter Einweihungsweg, eine Initiation zum Wach-Sein in Gestalt des Ringens mit sich selbst: «Schrecken und Zerstörung? / Geh durch sie hindurch, / sagt die Erfahrung, / durch die Hölle, wenn sie deine ist. / Doch fremde Höllen meide, / du kannst sie nicht ertragen.»

Man kann Bardill nur wünschen, dass dieser wunderbar intime Einweihungsweg der zwölf Tage auf der Insel eine Spur legt, der möglichst viele zu folgen bereit sind. Dass möglichst viele den Mut haben, in diesen Spiegel zu blicken, der Erkenntnis heisst.

Linard Bardill: «Die Insel – Wirf dich den Wolken zum Frass vor». Verlag Drachäleon / Sound Service. 132 Seiten. 24.90 Franken. Das Buch erscheint am 14. November.