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Der Staat ist für die Menschen da, nicht umgekehrt

am Mai 29, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Eine der vielen dringenden Aufgaben der kommenden Bündner Regierung:

Transparenz

  • Die Bevölkerung muss zukünftig von der Regierung schnell und transparent informiert werden. Gerade auch wenn es um negative Botschaften geht. Gelebte Demokratie heisst, dass die Regierenden sich den Leuten stellen: in den Medien, und direkt. Es braucht Fragestunden nicht nur im Grossen Rat, ein institutionalisierter Ort für Kontakt, Austausch und Information mit den Leuten.
  • Es muss eine Stelle eingerichtet werden, wo die Leute sich mit ihren Sorgen, Nöten und Anliegen äussern, aber auch ihre Vorschlägen und Wünschen anbringen können.
  • Sobald der Verdacht auf Seilschaften aufkommen kann, braucht es externe, neutrale Experten.
  • Der Baumeisterverband muss jetzt stärker kontrolliert werden. Er ist für dieses ganze Ungemach der Weko mit verantwortlich. und er muss Remedur schaffen. Wenn nötig mit zwischenzeitlichem Einsitz der Regierung im Verwaltungsrat zur Wiederherstellung des Vertrauens und der Glaubwürdigkeit.
  • Der Ton in der Verwaltung soll freundlich werden, wo er technokratisch oder gar anmassend ist. Es geht darum mit den Leuten Lösungen zu erarbeiten, nicht sie zu bedrohen oder klein zu machen. Der Staat ist für die Menschen da nicht umgekehrt.
  • Hinweisen von Whistleblowern ausserhalb und innerhalb der Verwaltung soll ernsthaft nach gegangen werden. 0-Tolleranz für Kartelle, Bestechlichkeit, Missbrauch von Ämtern, Mobbing, Bossing, etc.Das Parlament hat zwei Mal entsprechende Vorstösse abgeschmettert. Die Regierung muss in der Revision des Personalgesetzes diesen Punkt prioritär behandeln.
  • Die Regierung muss von den herrschenden Medien die Rückkehr zu ihrer wichtigsten Aufgabe,einfordern, die 4. Gewalt im Staate zu sein. Der Kanton bezahlt Millionen an die SOmedia. Dafür muss die Bevölkerung Recherchen, journalistische Wahrhaftigkeit und Transparenz bekommen.

tbc



Was in der Kultur ansteht

am Mai 28, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Teil einer Antwort auf die Not in der Kulturpolitik in Graubünden:

Die anstehenden Aufgaben in der Kulturpolitik sind gross. Wo ich dringenden Bedarf sehe:

  • Die Dienststelle für Kultur muss reorganisiert werden.
  • Die Kulturkommission muss reorganisiert werden.
  • Hearings mit Kunstschaffenden und Leistungsträgern, und zwar regelmässig 2x pro Jahr. Es muss darum gehen, gemeinsam ein Bewusstsein zu erarbeiten, was es in unserem Kanton heisst Kunst und Kultur zu schaffen.
  • Vermehrter Einbezug auswärtiger Experten, um Kompetenz und Transparenz zu erreichen.
  • Aufarbeiten der Vergangenheit der Ära Jäger. Vorher ist kein wirklicher Neubeginn möglich.
  • Einforderung der Medien auf ihre Funktion in der Demokratie, die 4. Gewalt zu sein. Für die Kultur bedeutet das Reflexion und kontroverse Diskussion über die Kunst, die Zeit, die Gesellschaft etc.
  • Zudem:
  • Es gibt zu wenig Begegnungsorte für Kulturschaffende und Kulturinteressierte. Das gilt für Chur, aber vor allem auch für abgelegene Orte. Die Vereinzelung der Künstler und Künstlerinnen ist oft gross. So wie die Dörfer immer häufiger ohne Post, ohne Laden und ohne Beiz sind, sind Kunstschaffende ganz ohne Treffs. Bedeutende Impulse für die Kunst kommen aber immer wieder aus Freundschaften, künstlerischen Vereinigungen, Gruppen. Für die jungen Künstler und Künstlerinnen könnte das Kabinett der Visionäre ein Modell sein. Solche initiativen Projekte müssten aber mehr geachtet und besser finanziert werden.
  • Die Kultur ist ein Teil unserer Verortung. Daher müssten Kulturbeauftragte in den Regionen Impulse aufnehmen und selber Impulse geben. Abwanderung wird einerseits durch die Schaffung von Arbeitsplätzen vermindert, vor allem aber auch durch ein Gefühl, verortet und kulturell zu Hause zu sein. Das ist eine Aufgabe, die auch die Schule wunderbar übernommen hat und weiter übernehmen kann. Daher ist es eine Chance, dass Kultur und Schule im selben Departement sind.
  • Die so genannte Volkskultur ist bekanntlich die Kultur der Leute. Die Kultur der Leute aber hat ihre Wurzeln oft in tiefer Vergangenheit. Diese Wurzeln ohne Nationalismus zu würdigen und auch die neuen Blüten dieser Pflanze zu fördern ist dringlich, damit die ganze Bewegung der Tradition nicht versteinert, sondern lebendig bleibt und sich weiter entfaltet. Daher muss über ein Zentrum für die Kultur der Leute nachgedacht werden, wo nicht intellektuell debattiert, sondern gemeinsam Wege in die Zukunft besprochen, vorgedacht und vorgemacht werden können. Ein Haus für die Tradition und ihre fortwährende Erneuerung.
  • Weitere erste Ideen: Podien, auf denen die Künstler und Künstlerinnen debattieren können. Foren. Nicht nur digitale. Orte, wo Impulse gegeben und genommen werden können. Ein Filmpodium, in Chur mit Ausstrahlung in die regionalen Kinos, welches historisch wichtige Kunstwerke der Filmgeschichte zeigt, usw.
  • Gespräche mit den Anrainerstaaten, kulturelle Verbindungen knüpfen oder aktivieren, z. B. mit Italien und Österreich. Entsprechende Bunders – und EU-Töpfe zB das Interreg: Regionalprogramm der Europäischen Union werden viel zu wenig ausgeschöpft.
  • Die Vermischung von Kultur und Tourismus ist nicht weiterführend. Es braucht keine weiteren Leuchttürme um der Gäste willen. Die bestehenden Institutionen sollen ihre Aufgaben wahr nehmen und gestärkt werden.
  • Und dann:
    Das WEF steht für die Globalisierung, die Kritik an der Globalisierung und die Kritik an der Kritik an der Globalisierung. Ansonsten ist es ein Stelldichein der Topshots aus Politik, Wirtschaft und Kultur.
    Nach der themenzentrierten Interaktions-Theorie von Ruth Cohn ist es wichtig, was an den Rändern eines Ereignisses, einer Gruppe oder Organisation läuft. Denn der Blick von den Rändern ist oft schärfer und genauer als die Betriebsblindheit der Menschen, die mittendrin stecken.
    Kultur und Politik in Graubünden hätten während den letzten Jahrzehnten die Chance gehabt, einen Ort der Reflexion zum schaffen und  die Frage der Globalisierung und die Zukunft der Gesellschaft und der ganzen Welt mit Philosophen, Musikern, Schriftstellern und bildenden Künstlern zu reflektieren, ohne Teil des WEF zu sein. Wir haben es bisher nicht gemacht. Diese Aufgabe müsste dringend an die Hand genommen werden. Ich denke an Vorträge und Einwürfe von Koryphäen wie Giorgio Agamben, Jean Ziegler, Wendy Brown, Remo Largo, Hartmut Rosa, Franco Cavalli, Andreas Gross und vielen mehr, die nie an ein WEF eingeladen werden und zum Thema der Globalisierung und dem Zustand unserer Zeit entscheidend mehr zu sagen haben als viele Topshots in Davos.
    In der Geistesgeschichte sind in Davos nicht nur die Freiheitsbriefe geschrieben worden. An den Davoser Hochschulkursen versammelte sich in den 1930er-Jahren jedes Jahr die Elite der europäischen Intellektuellen zu Wochen des Austauschs und der gemeinsamen Arbeit. Dieser Raum zur Reflexion müsste auf einer intellektuellen Ebene stattfinden, aber auch auf einer künstlerischen, musikalischen, literarischen Ebene. Die Politik kann diese Aufgabe nicht selbst übernehmen, müsste aber entsprechende Impulse aufnehmen und auch geben.
  • tbc


Wer hat den Mut?

am Mai 24, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Warum hatte und hat keiner den Mut hin zu stehen und zu sagen, was Sache ist?
Zum Beispiel Andrea Hämmerle

Andrea Hämmerle hat Bedeutendes für Graubünden und die Schweiz geleistet. Ich denke an die Alpeninitiative und auch an die Arbeit in vielen Kommissionen im Nationalrat (unter anderem in der «Parlamentarischen Gruppe Schweiz – Palästina»).

Seine Rolle in der Abwahl und nationalen Entmachtung von Christoph Blocher hinterliess bei mir einen etwas schalen Beigeschmack. Als Königsmacher hat er sich in seinem Buch „Die Abwahl“ ein Denkmal gesetzt. Darüber kann man geteilter Meinung sein.

Was seine Rolle als Präsident der Nationalparkkommission angeht, weiss ich aber, dass Andrea Hämmerli wusste, was Sache war. Der Druck seitens des Baumeisters Conrad war enorm. Der zuständige Bauleiter verlangte ein Rechtsgutachten, weil er absolut sicher war, dass bei der Bauvergabe etwas nicht stimmte. Andrea Hämmerle und der Chef der Baukommission Robert Giacometti hatten sich gemäss den mir vorliegenden Unterlagen abgesprochen und Giacometti verbot dem Bauleiter, ein rechtliches Gutachten einzuholen. Wörtlich: „… Auf Grund meiner Ausführungen darfst Du kein Gutachten einholen…“

Dies beweist nicht, dass Hämmerle von den gesamten Machenschaften des Baukartells im Engadin wusste. Es heisst nicht, dass er sich persönlich bereichert hat oder gar bestechlich oder korrupt war. Aber er hat sich nicht für die Aufklärung stark gemacht. Es fehlte vielleicht der Mut. Man wollte vielleicht einfach forwärts machen. Der Rest war zweitrangig. Nach meinen verlässlichen Informationen wurde der Bau zwischen Fr. 700’000.– und 1 Mio. teurer. Weil keiner den Mut hatte, das Kartell auffliegen zu lassen. Das ist eine Tatsache, die ich mit den mir vorliegenden Unterlagen dokumentieren kann.

Weil die SO vom 23. MAi die ihnen vorliegenden Dokumente meiner Ansicht nach nicht adäquat interpretierte, stelle ich sie hier für jedermann zur Verfügung. Mache sich jeder selber seine Meinung.

Als spannendes Detail vielleicht noch: Der frustrierte Bauleiter legte einige Tage nach der Absage seiner Anfrage für ein Gutachten die Arbeit def nieder. Dafür gebührt ihm im Nachhinein meines Erachtens ein grosses Lob. Wenigstens einer, der Konsequenzen zog!

der Artikel in der SO

https://www.suedostschweiz.ch/politik/2018-05-23/die-betonpreise-in-zernez-gaben-schon-2006-zu-reden



Die Bündner Regierung, die Kandidaten, die Zukunft: wie ich es sehe

am Mai 18, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Vielleicht erstaunt es meine Freunde und Leser, dass ich scharf schiesse. Wir sind Streit nicht gewohnt. darum sitzen wir jetzt im Sumpf.  Bevor ich meine Kapuzinerpredigt loslasse hier folgendes Zitat des israelischen Schriftstellerkollegen Amos Oz in der NZZ vom 14.5.18:

Ich möchte keinen Frieden zwischen politischen Lagern. Ich möchte Gewaltfreiheit. Wut, Streit, Uneinigkeit, intellektuelle, moralische und politische Auseinandersetzungen sind gut. Sie sind das beste Klima für Kreativität und kulturelles Wachstum. Ich möchte nicht, dass Israel zu einer einzigen Harmonie wird. Um Himmels willen. Ich mag meine Feinde, meine Gegner. Ich mag Widersprüche und Kontraste. Solange Unterschiede gewaltfrei ausgetragen werden, kann ich mit ihnen leben – und sie sogar geniessen.

In dieser Zeit kommt mir die Bündner Regierung wie eine Gruppe Murmeltiere vor: wenn der Adler kommt: Ein Pfiff und alle verschwinden in der Höhle.

Dabei gäbe es auch Bären und Wölfe, die wir uns zum Vorbild nehmen könnten: Härastoh! sich stellen! Farbe bekennen! muossar övs e chül! Stattdessen machen alle auf Verschleppung und Vertröstung.

Herr Parolini: immer noch auf Tauchstation? Hand aufs Herz: sie kennen den Filz im, Engadin. Was tun sie jetzt? Ihr Wahlslogan „Bürgerlicher Fortschritt“, da hätten wir alle das Bedürfnis zu wissen, wohin soll dieser Fortschritt gehen, wenn heute ihre Partei und ihre Person am Abgrund stehen?

Herr Rathgeb: wenn sie ihren Polizei Kommandanten schon als „unbekannt“ anzeigen müssen um die Wahlen zu retten, dann steht es in ihrem Department mit Transparenz kaum zum Besten.

Herr Cavigelli: sie haben ihren Kopf hingehalten für die abgetauchten Kollegen. Das ehrt sie, doch leider stellen die Zuschauer der Rundschau vom 9. Mai fest: da ist ein Mensch, der keine Gefühle zeigen kann. Auf die – zugegeben dümmlich und dreimal wiederholte – emotionale Frage, ob sie sich beim Whistleblower Quadroni entschuldigen, sind sie eloquent dreimal um den heissen Brei herumgetanzt, ohne jedes Mitgefühl zu zeigen. Auf eine emotionale Frage braucht es zuerst eine emotionale Antwort und dann eine intellektuelle Erklärung. Sie haben wie ein Apparat gewirkt und nicht wie ein Mensch. Damit erobert man die Herzen der Bürger nicht zurück.

So kann ich keinen von ihnen auf meinen Wahlzettel schreiben. Aber wir brauchen eine Regierung die führt.  eine Regenza, keine Reagenza, un Governo!

Wenn mir gesagt wird, dass so kein künftiger Regierungsrat argumentiere, antworte ich darauf: ich bin noch kein Regierungsrat – ich bin ein Wahlkämpfer. Und als solcher spiele ich auf den Mann, denn um Männer – und leider sind es nur Männer – geht es bei dieser Wahl. Bin ich einmal gewählt, werde ich für diesen Kanton und seine Bürgerinnen und Bürger einstehen und mithelfen, dass der Stier an den Hörnern gepackt wird. Nur drei Punkte von vielen:
1. Es muss so schnell wie möglich ein Mitglied der Regierung oder ein Spitzenbeamter dem Vorstand des Baumeisterverbandes beisitzen, um das komplett verlorene Vertrauen in eine immanent wichtige Branche im Kanton wiederherzustellen. Dazu wäre ich sofort bereit.
2. Es muss die Weko angegriffen werden, damit die Regierung zu den für den Kanton überlebenswichtigen Unterlagen kommt. Sollte die Weko die Dokumente nicht sehr zeitnah zur Verfügung stellen, muss die Regierung die Gründe und eine Rechtsbelehrung einfordern, die sie sogleich der Bevölkerung mitteilt.
3. Es muss der Bevölkerung deutlich kommuniziert werden, wann die Untersuchungen gegen das Tiefbauamt oder gegen den Polizei-Einsatz und die Verantwortung des Polizeikommandanten abgeschlossen sind. Seit bald 12 Monaten hätten wir das Recht auf die Resultate der angeblich angestrengten internen Untersuchung von Herrn Schlegel, die aber leider bis nach den Wahlen verschleppt worden ist, beziehungsweise nun durch die Anklage gegen Unbekannt obsolet geworden ist. Warum?
Damit der Kommandant in den Wahlen bleiben kann? Was wird geschehen, wenn Kandidat Schlegel als Polizeichef die volle Verantwortung für den an Staatsterrorismus erinnernden Einsatz gegen Adam Quadroni übernehmen muss? Zudem ist eine Strafklage gegen ihn hängig!

Auch Herr Peyer scheint ein Parteisoldat, der Teil eines Machtapparates ist. Warum schiesst er in diesen schweren Tagen nicht auch auf den Mann? Immer ganz Gentlemen! Das reicht nicht. Die SP weiss durch die skandalöse Vergabe des Bauauftrages in Zernez schon lange von den Vorkommnissen im Engadin. Nicht nur Domenic Parolini auch Andrea Hämmerle war an vielen Sitzungen dabei und soll nichts von den Druckversuchen Seitens des Kartells gewusst haben? Da kichern die Murmeltiere.

Und noch ein spannendes Detail: Beim Bau des neuen Nationalpark Zentrums haben die Baumeister ihr kartellistisch vereinbartes Geld insbesondere über das Zementwerk in Zernez eingenommen. Dieses gehörte damals verschiedenen Unterengadiner Bauunternehmern. Man darf den zu hoch bezahlten Preis als etwa 800’000.- bis 1 Mio. bezeichnen. Die WEKO hat die Kies- und Betonwerke nie untersucht.

Ja und Herr Caduff, was ist denn mit ihnen? Ich höre keine Strategie, kein Wort davon, wie sie mit den kommenden Untersuchungen der WEKO umgehen wollen. Nur brave Phrasen, Verzeihung, nur Seifenblasen! Die wichtigste Frage, wie wir menschlich, moralisch, politisch in die Zukunft wollen kommt in ihrem Auftritt nicht vor.

Ich hoffe inständig, dass die Sache endlich gewendet wird: Sich Entschuldigen, volle Transparenz schaffen und proaktives Handeln! Auf dass sich der Graben wieder schliesse zwischen Bevölkerung und den Regierenden.

Leider sind die Zweifel, dass die bisherige Regierung diese Herkulesaufgabe mindestens noch auf die Schiene bringt mehr als angebracht. Die eigene Haut zu retten scheint im Augenblick oberste Maxime. Doch was bringt es den Bündnern, wenn die Herren einigermassen glimpflich aus der Sache herauskommen aber das ganze Vertrauen in die Institutionen bis ins Mark erschüttert ist?

 



Die Weltwoche macht Bardill zum König

am Mai 17, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

An den Solothurner Literaturtagen traf ich den Journalisten Rico Bandle. Weltwoche: Damit bringe ich Roger und einen Journalismus der verknallhornten Art in Verbindung.

Doch Rico Bandle gefällt mir. Wie er schreibt, wie er Gespräche führt. Wer Lust hat  auf eine andere Lesart meiner Kandidatur, bitte sehr!

Ganzer Text:
Ein Hofnarr strebt nach der Krone

Von Rico Bandle  –  Als Geschichtenerzähler und Autor von Kinderliedern ist er bekanntgeworden,  jetzt kandidiert Linard Bardill für den Regierungsrat. Der Künstler will nichts weniger als Graubünden  von Korruption und Clan-Herrschaft befreien.

Er hatte eben sein Theologiestudium abgeschlossen, da durfte Linard Bardill in einer Pfarrei erstmals eine Hochzeit durchführen. Bevor er zu den entscheidenden Worten kam: «Willst du [.?.?.] sie lieben und ehren, bis dass der Tod euch scheidet?», setzte er eine rote Clownnase auf. Er wollte zeigen, wie lächerlich dieses Versprechen ist. Mit dem Brautpaar war die Aktion abgesprochen, trotzdem sorgte sie für einen Eklat, insbesondere die Eltern waren empört. Es war die letzte Trauung Bardills – anstatt Pfarrer zu werden, entschied er sich für einen artverwandten Beruf: Geschichtenerzähler und Liedermacher.

Jetzt, nach über dreissig Jahren auf der Bühne, will Linard Bardill in die Politik. Auch das sei kein wirklicher Wechsel, würden Zyniker wohl sagen, als Märchenonkel bleibe er in der Politik unter seinesgleichen. Doch Bardill ist es ernst. Sehr ernst. Er ist überzeugt, in seinem von Skandalen heimgesuchten Kanton etwas verändern zu können. Ja, etwas verändern zu müssen. «Wir haben bei uns kein Kollegialsystem, sondern ein Kumpaneisystem», sagt er. Der Kanton werde seit Jahrzehnten von Clans beherrscht.

«Auch so ein Mafiahaufen»

Ich treffe Linard Bardill an den Solothurner Literaturtagen. Hier redet er an einer Veranstaltung zum Thema Vorlesen. Mit seinen roten Ledersandalen, den Schlabberhosen, der auffallenden Halskette und dem langen grauen Haar unter einer Gauklermütze könnte er ein Darsteller sein in einem Mittelalterfilm. Doch kaum beginnt er zu sprechen, ist das Äussere kein Thema mehr: Bardill ist glasklar in seinen Gedanken, schöpft aus einem enormen Fundus an theologischem und pädagogischem Wissen, ist mitreissend in seiner Art zu erzählen. Und auch der Pfarrer ist noch spürbar, selbst hier, wo es um die sinkende Lesekompetenz geht. «Wir sind in unserer Gesellschaft an einem kritischen Punkt angekommen», warnt er den kleinen Zuhörerkreis, um dann den Weg zur Erlösung aufzuzeigen: «Durch Vorlesen und Erzählen kann man dem nichtlesenden Publikum immer noch Zugang zu schwierigen Texten gewähren.»

Nach der Diskussionsveranstaltung haben wir uns im Restaurant «Kreuz» verabredet. Die Stammbeiz von Peter Bichsel bildet das Epizentrum der Solothurner Literaturtage: Lukas Bärfuss umarmt vor dem Lokal innig seine Freundin, Hansjörg Schneider beobachtet bedächtig die Passanten, Peter Stamm zwängt sich mit gesenktem Blick durch die Menge. Bardill grüsst ständig Leute. Man kennt sich. Ist er jedes Jahr hier? «Nein. Das ist auch so ein Mafiahaufen hier!», sagt er. Man habe den für ihn wichtigen Autor, Jürg Laederach (1945–2018), verschmäht.

Kaum hat er sich hingesetzt, macht Bardill das, was er am besten kann: erzählen. Der Skandal um das Baukartell in Graubünden habe ihn zum Entschluss gebracht, kurzfristig noch für die kantonale Regierung zu kandidieren. Vor wenigen Wochen wurde publik, wie sich im Engadin und in anderen Tälern die Baufirmen bei Ausschreibungen abgesprochen und Aufträge untereinander aufgeteilt hatten. Dutzende von Millionen Franken konnten sie so über die Jahre abschöpfen, die Behörden schauten weg. Ein abtrünniger Baumeister wurde erst in den Ruin getrieben, dann machte er den Fall als Whistleblower publik. Sechs Jahre später wurde er von einem Sonderkommando der Polizei direkt vor einer Schule überwältigt, mit Kabelbindern gefesselt und abgeführt. Gemäss Polizei darum, weil er seine Frau und seine Kinder massiv bedroht hatte; er selbst sieht darin eine Vergeltungsaktion für seine Rolle im Kartellfall.

Auch Bardill ist überzeugt, dass es darum ging, ein Zeichen zu setzen: «Den Schülern, die gerade Pause hatten, wurde mit dieser brutalen Verhaftung klargemacht, was passiert, wenn man sich nicht an die Regeln des Clans hält.» Er spricht von einer «Mauer des Schweigens», von mafiösen Zuständen, auch mit Blick auf andere Fälle im Kanton. Dass die Regierung den Untersuchungsbericht zur Verhaftung erst nach den Wahlen veröffentlichen möchte, vierzehn Monate nach dem Vorfall, passt für ihn ins Bild. Mit der eidgenössischen Wettbewerbskommission, die gegen das Kartell ermittelt, geht er ebenfalls hart ins Gericht: «Das ist eine Ballermann-Truppe mit Profilierungsneurose.»

Wo aber war Bardill, als die aus seiner Sicht so skandalöse Festnahme stattfand? Wie alle andern blieb auch er stumm. Erst ein Jahr später, als der Vorfall im Unterland durch eine Artikelserie im Online-Magazin Republik zum Thema wurde, äusserte er seine Empörung. Ist er etwa auch Teil des Kartells? «Das ist eine berechtigte Frage. Es wurde in Graubünden durchaus über den Fall geredet, auch die Südostschweiz hat ab und zu etwas darüber geschrieben. Aber das Ausmass des Skandals wurde auch mir erst durch die Artikelserie in der Republik bewusst», sagt er.

Am 5. Mai gab Bardill seine Kandidatur für den Regierungsrat bekannt. «Die politische und moralische Krise in Graubünden hat mich erschüttert», schrieb er in einer Mitteilung, um dann – wie es sich für einen evangelischen Theologen gehört – einen Ausweg aufzuzeigen: «Nach Zorn und Verzweiflung wuchs die Hoffnung auf eine Erneuerung. Die Chance dafür war noch nie so gut!»

Gegenseitige Taufe im Jordan

Aufgewachsen ist Bardill in einem politischen Haushalt. Der Vater war Prokurist bei einer Baufirma, als Kartelle noch legal waren, und sass fünfzehn Jahre lang für die SVP im Grossen Rat. Linard wurde mit vierzehn politisiert, durch die Schwarzenbach-Initiative, die die Einwanderung begrenzen wollte. «Mein Vater war ein vehementer Befürworter, ich strikt dagegen.» Der Konflikt war für den Jungen ein wichtiger Schritt bei der Loslösung vom Vater, der die Kinder auch mal tüchtig geschlagen hatte. In den Teenagerjahren flüchtete er in die Religion, war stark gläubig, was schliesslich zum Theologiestudium in Zürich führte.

Heute würde man Bardill wohl eher als spirituell denn als religiös bezeichnen: Er sieht den Menschen als Bindeglied zwischen Natur und Gott. «Es ist eine Illusion, zu glauben, dass die Welt ohne Menschen besser wäre», sagt er zum Beispiel. Oder: «Ich bin kein guter Mensch.» Er erzählt aber auch, wie er vor einem Jahr mit seinem Freund Walter Lietha in den Fluss Jordan stieg und sie sich gegenseitig tauften.

Als Linker gegen den EWR

2007 bezog Linard Bardill sein Atelierhaus in Scharan – einen aufsehenerregender Neubau aus rotem Beton, mitten im historischen Dorfzentrum. Kann man so etwas bauen, ohne zum «Clan» zu gehören? «Ja», sagt Bardill, «sechs Jahre hat das Verfahren gedauert, bis ich die Bewilligung endlich bekam. Ich musste viele Anpassungen vornehmen.» Heute gehört das Haus zu den Touristenattraktionen im Domleschg.

Mitten im Gespräch stösst ein unerwarteter Gast zu uns: der Bündner Autor Gion Mathias Cavelty, der an den Literaturtagen seinen neuen Roman vorstellt. Er lobt Bardill in den höchsten Tönen: «Mit niemandem kann man so gut über theologische und philosophische Themen diskutieren wie mit ihm. Er kennt alle Schriften, kann aus vielen wörtlich zitieren.» Dass Bardill kandidiert, finde er grossartig. «Aber ich wohne ja in Zürich, und die Bündner haben nicht gerne, wenn ihnen Unterländer dreinreden», sagt Cavelty und verabschiedet sich. «Ich will euch nicht stören.»

 

Bardill hat sich immer schon politisch engagiert. 1992 tat er sich als ein Wortführer der linken EWR-Gegner hervor. Bei Umweltanliegen wie der Alpeninitiative wirkte er als Vorkämpfer. Die Zweitwohnungsinitiative, die er ebenfalls unterstützte, sieht er als mitverantwortlich für den Zusammenbruch des Baukartells: «Wenn das Auftragsvolumen steigt, kann man sich gut absprechen. Wenn es sinkt, geht das nicht mehr.» Niemand sei bereit, freiwillig zu verzichten. «Wer sich zu kurz gekommen fühlt, schert aus. Das ist hier exemplarisch passiert.» Die Medien hätten den Abtrünnigen nun zum Helden erklärt. «Er ist ein Mensch wie jeder andere, gut und böse, sicher kein Heiliger. Aber durch sein Handeln ist endlich alles ans Licht gekommen. Und das zählt.»

 

In seinem Leben habe ihn nichts so stark geprägt wie der «kleine Buddha», sagt Linard Bardill. So nennt er in seiner Coopzeitung-Kolumne seinen Sohn mit Down-Syndrom. «Dieser hat mir eine völlig neue Sicht auf die Welt eröffnet.» Sein Sohn sei zwar kognitiv eingeschränkt, aber keinesfalls behindert, das sei ihm wichtig. Fünf Kinder hat er insgesamt. Auch einen weiteren Sohn machte er schon öffentlich zum Thema: als er zugab, diesen immer wieder geschlagen zu haben. Ein riskantes Geständnis für einen allseits beliebten Kinderliedautor. Doch seiner Popularität hat dies nicht geschadet.

Traut er sich überhaupt zu, als Regierungsrat einem Departement mit Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Mitarbeitern vorzustehen? «Ja, sicher», sagt Bardill. «Ich habe mit Orchestern aus neunzig Musikern gearbeitet, das geht gut.» Er werde einen völlig neuen Führungsstil einführen, wo niemand mehr aus Angst etwas verschweigen müsse. Seine Wahlchancen sieht er bei 80 Prozent.

Auch wenn es Bardill ernst ist mit der Sache – erstaunen würde es trotzdem nicht, wenn er bei einer allfälligen Vereidigung wieder eine Clownnase aufsetzte. Denn, wie er zu seiner Hochzeitsaktion ganz unbescheiden sagt: «Schon die Propheten haben solche Zeichen gesetzt.»



Der Unterschied von Wut und Zorn ist die Gerechtigkeit

am Mai 4, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Die Patrons versuchen schon wieder das Loch in der Mauer des Schweigens zu schliessen. Jetzt ist der Blick in die Finsternisse der Zeit (Marke GR) noch offen. Warten wir nicht bis es zugekleistert wird!

 

 

 

 



Veranstaltungsreihe Kultur und Schule im Hinblick auf die Waheln 2018

am März 29, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Wir wählen im Juni zwei neue Regierungsräte. Das Amt des Kultur/Schule/Umwelt Departements wird frei. Das geht uns Künstler, aber auch alle an der Bildung Beteiligten und Interessierten etwas an.

Darum organisieren wir unter dem Patronat des Kantons Graubünden drei Veranstaltungen übewr Kulturförderung, Schule und ein Podium mit den neuen RR Kandidaten.

An den ersten beiden Veranstaltungen entstanden Forderungskataloge an die neue Regierung:

diese soll den Regierungsratskandidaten vorgelegt werden..

Beitrag zur Diskussion über den Zustand der Demokratie und der Kulturförderung. gehalten am 23.3. 18 in der Postremise Chur.

Programm und Texte der Veranstaltung über den Lernerfolg, verteilt am 12. April im Theater Chur

Presse:

https://www.suedostschweiz.ch/kultur-musik/2018-03-27/der-verein-kulturkanton-distanziert-sich-von-liedermacher-linard-bardill



Omertà Grischuna oder ein Lied gegen die Mauer des Schweigens

am Juli 2, 2017 — in der Rubrik: Aktuelles

Ein Lied gegen die Mauer des Schweigens.

Nähere Infos unter

Startseite



Eseltour Tamangur Konzert 8.8. 13’00 S-charl, 9.8. 1030 Fuldera

am November 14, 2016 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel,BestOf33,Projekte,Wichtige Dokumente

Cul Asen pel muond aint (mit dem Esel durch die Welt)
Eselreise durchs wilde Tamangur

Eseltour Tamangur Konzert 8.8. 13’00 S-charl, 9.8. 11’00 Fuldera
5. – 9. August 2018  

Letztes Jahr machten wir eine Eselreise durch das wilde Tamangur. Es waren wunderbre Tage mit  30 Kindernn, 6 Erwachsenen und 10 Eseln . Dazu unzählige Arvenhäher, Murmeli, Betschlas ed ils Dschembers da Tamangur.
Eine Kindheit ohne Tiere kann ich mir nicht als glücklich vorstellen. Aber keine Angst, wir führe die Reise dieses Jahr wieder durch.

Konzert mit Eseln und Kindern
Mittwoch, 8. August, 13’00 Uhr in S-charl
Donnerstag, 9. August , 10’30 in Fuldera

Wir präsentieren dort die Lieder der Eselreise von Fuldera nach S-charl.
Das Projekt beinhaltet auch einen kleinen Beitrag zum Vertreiben der Langeweile von 4 Kindern aus dem Transitzentrum in Valbella, deren Schule auch noch nicht begonnen hat.

Anmeldung unter:
buero@bardill.ch

Hier ein paar Eindrücke vom letzten Jahr:

Mit Eseln und Kindern

Nähere Infos:
https://www.bardill.ch/wordpress/wp-content/uploads/2016/11/Cul-Asen-pel-muond-aint-1.doc

 

 

 



Sterben

am Juli 27, 2016 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Sterben für Anfänger oder die Kunst am Leben zu bleibenIm Theateramrand.de in Zollbrücke findet am 14. August 2016 zum 1. Mal der Workshop „Sterben für Anfänger“ mit Konzert statt. Das Thema interessiert immer mehr Menschen, die nicht mehr bereit sind das Tabu Sterben aufrecht zu erhalten.

http://www.theateramrand.de/spielplan/spielplan.php?month=8

Artikel zum Thema:
https://www.sein.de/brandenburg/etwas-federn-und-dann-gehen-sterben-fuer-anfaenger/

Artikel zum herunterladen
Sterben für Anfänger oder die Kunst am Leben zu bleiben