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Kolumne So. Der Leute Glück, Weihnachten und Ems-Chemie

am Dezember 14, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Der Leute Glück

Kolumne in der SO 14.12.18

Linard Bardill*
über das Kind,
das bald geboren
 wird

Weihnachten ist einer der letzten Nägel, an dem in dieser geistig und moralisch umnachteten Epoche Glaube, Liebe und Hoffnung hängen. Da soll ein Kind geboren werden. Dieses Kind sei unser Zuspruch auf eine neue Zeit. Es soll die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit, nach der Fülle des Lebens und der Wahrheit stillen. Sein Name heisst: wunderbar, der Ewigkeiten Vater und Friedensfürst. Ein König sei er, sein Thron die Gerechtigkeit, sein Palast ein Stall, seine Krone das Licht der Erlösung. Weil wir uns nach diesem Kinde sehnen, feiern wir Weihnachten.

Es sieht so aus, als ob den Menschen diese Sehnsucht nach Wahrheit, Frieden und Gerechtigkeit angeboren wäre, auch in den reichen Ländern mit dem oft beschworenen besten politischen System. Denn wären wir mit den materiellen Dingen, dem dichten Dach, dem vollem Tisch zufrieden, hätten wir wohl nicht täglich Menschen, die vor den Zug springen, würde das Burn-out-Alter nicht immer weiter sinken, wären die Abteilungen der psychiatrischen Kliniken nicht so übervoll. Ginge es uns wirklich gut, Weihnachten wäre überflüssig, wir könnten das Kind vergessen.

In unserem Nachbarland wehren sich viele Bürger nicht nur gegen einen höheren Benzinpreis, sie kämpfen für die Würde ihrer Arbeit, stellen sich gegen die Arroganz der Macht, gegen das System, in dem die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden.

Der Drogenboss El Chapo soll palettenweise Dollars in seinem Keller gestapelt haben. Die Wände des Hauses von Tunesiens Diktator Ben Ali waren mit Devisen isoliert.

Sind die Reichen denn glücklich? Sind sie dem Kind näher, der Fülle des Lebens, dem Licht, der Schönheit des Himmels und der Wärme der Erde? Geld scheint nicht der wirkliche Grund zum Glück zu sein. Denn auch wenn einer schon Millionen verdient, er will doch Milliarden haben.

Die Besitzer der Ems-Chemie verdienen Hunderte Millionen im Jahr. Trotzdem verlagerten sie ihr Inkasso ins steuergünstige Luxemburg. Nicht Domat/Ems oder andere Standorte des Imperiums kommen seither in den Mehrgenuss des Firmenerfolges, sondern Luxemburg, auch so ein Briefkastenfirmenland, mit dem die Besitzerfamilie nur die Gewinnmaximierung teilt. Die Besitzer engagieren sich in der Politik. Doch seltsam: Obwohl sie das Ausland mit ihren Steuern beglücken, verlangen sie eine Schweiz mit möglichst wenig Ausländern und Abschottung vom Rest der Welt. Sie predigen Wasser und trinken Wein, und sie wollen Macht, immer mehr Macht: Nationalrat, Ständerat, Bundesrat. Dafür brauchen sie Geld. Ist das der Grund ihrer Machenschaften, wie Steuertransfer und Politlügen, die jeder durchschauen kann, der den Mut dazu hat?

Und warum werden sie von den Wählern dorthin gehievt, wo sie nur wieder den Reichen zu noch mehr Reichtum verhelfen, warum werden sie gewählt?

Macht es denn die Wähler glücklich, wenn sie der Tochter aus der zehntreichsten Familie der Schweiz zur Macht verhelfen? Und wenn ja, glauben sie, durch das fremde Geld und die fremde Macht selber ein bisschen mächtiger, selber ein bisschen glücklicher zu werden, und glauben sie so an der Gnade des Kindes Teil zu haben, das da aufrichten wird die Geknechteten, die Weinenden tröstet, die Schwachen schützen, Obdach geben wird den Vertriebenen, und den Verlassenen Gemeinschaft?

Eine nachdenkliche und lichtdurchflutete Adventszeit sei uns allen gleichermassen gegönnt.

Linard Bardill ist Theologe, Liedermacher und Autor. 
Er lebt in Scharans und ist Vater von fünf Kindern. Einmal im Monat schreibt er an dieser Stelle, worüber er als Künstler und Bündner nicht den Mund halten will.



Kolumne SO 16.11.18

am November 16, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Kolumne in der Südostschweiz vom 16.11.2018
Scharanser Zwischenrufe
Der Leute Wut
Über Kälber und die Wahl der Metzger.

Die Wutbürger sind am Zug. Sie wollen den IV-Schmarozern an den Kragen. Sie wollen die Migranten zurück nach Afrika oder Asien schicken, und sie wollen keine fremden Richter.
Die Wutbürger haben genug. Auch in der Schweiz. Egal, was dabei alles kaputtgeschlagen wird. Sie hauen drauf. Auf die Demokratie! Auf die Menschenrechte!  Aufs Völkerrecht! Auf alles, was fremd und schwach ist. Drauf!!!
Letzthin sprach ich auf einer Raststätte mit einem Lastwagenfahrer, der mir während einer animierten Diskussion über die Emigranten sein Gebiss entgegenstreckte: ein abgebranntes Negerdorf. Verzeihung Neger darf man nicht sagen. Man darf sie zwar im Mittelmeer ersaufen lassen, aber sagen tun wir Afrikaner. Egal. Der Lastwagenfahrer erklärte mir, er habe seit 15 Jahren kein Geld, um zum Zahnarzt zu gehen, aber diesen Drecksmigranten schiebe man die Kohle nur so in den Arsch. Er habe genug von diesen verdammten Eindringlingen und wenn er mit dem Flammenwerfer drüber könnte …
Der Mann hatte eine Stinkwut und ich verstand ihn. Ich fragt ihn, wer denn sein Chef sei und er nannte mir Herrn Giezendanner, einen Namen, den man aus dem Nationalrat kennt und über den im Wikipedia steht:  Sein temperamentvolles Auftreten macht ihn zu einem häufigen Gast in Fernsehshows. Er ist bekennender Christ und unterhält einen Saurer-Oldtimerpark. Da arbeite er ja am rechten Ort, sagte ich, sein Chef setze sich mächtig ein gegen das Migrantenpack und die Sozialschmarotzer. Ja, rief der Mann aus, ich müsse nicht meinen, er interessiere sich nicht für Politik. Ob er sich selbst denn auch für die Höhe seines eigenen Lohnes interessiere? fragte ich ihn, vielleicht habe der noch mehr mit seinen Zähnen zu tun als die Migranten.
Der Mann ging auf mich los und sagte, wenn ich seine Faust in meiner Fresse haben wolle, dann soll ich seinen Chef in den Dreck ziehen. Er hatte offensichtlich begriffen, worauf ich hinauswollte. Und er schäumte.

«Immer mit der Ruhe!» sagte ich, «ich habe mehr an eine Demo gedacht gegen die Dreckschweine, die ihre Leute so mies bezahlen und ausbeuten, dass sie ihre Zähne seit 15 Jahren nicht mehr flicken können.»
Das war dann zu viel. Der Mann, vermutlich um mich nicht spitalreif zu schlagen, verliess die Raststätte und ich überlegte mir, was ich falsch gemacht hatte.
Ich hätte so gern mit ihm über die Selbstbestimmungsinitiative gesprochen. Da wird den Leuten ja auch die Selbstbestimmung versprochen und dabei nimmt man ihnen diese gerade weg.
Mit der Wut ist es so eine Sache. Eigentlich ist sie doch gut. Sie hilft uns, dass wir uns wehren, wenn wir verscheissert werden. Um herauszufinden, wofür wir uns stark machen und gegen welchen Gegner wir kämpfen, dafür müssen wir etwas abkühlen und überlegen.
Sonst kommen die wahren Demokratie-Trojaner und machen uns weiss, dass ihr Recht über allen anderen stehe.
Stellen sie sich nur mal vor, der Herr Gietzendanner wäre der Meinung, alle demonstrierenden Lastwagenfahrer gehörten ins Gefängnis. Und er macht ein Gesetz mit seinen Spiessgesellen im Nationalrat, und das Volk sagt ja? Wo sollten wir uns dann noch hinwenden, wir, die wir auf das Recht für freie Meinung pochen? Nirgends! Ausser sie stimmen in einer Woche gegen diese hochbekloppte Initiative mit dem scheinheiligen Namen: Selbstbestimmung. Sie wurde von den Feinden der Demokratie gemacht.

 

 



Lesung/Konzert Bardill Alexandrovic

am Oktober 2, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Lesung / Konzert
Linard Bardill liest aus seinem 2018 auf La Gomera
geschriebenen Poem:
Die Insel, 12 Tage Gesang
Neneh Alexandrovic und Band spielen und singen
Sejedina, Glossolalie-Lieder aus den Tiefen der Sprache
10. November 19.30 Uhr Kirche Scharans
Abendkasse, Eintritt 28.- / 20.-

Anlässlich seines jährlich stattfindenden Workshops «Sterbenfür Anfänger», liest Linard Bardill aus seinem noch unveröffentlichten Buch «Die Insel», 12 lyrischen Gesängen, die er im Winter 2018 auf La Gomera verfasste.
Der Literaturkritiker Hardy Ruos schreibt dazu: «Das Poem ist ein Memento Mori und Sonnengesang, bringt Odysseus mit Gandhi zusammen auf einer Insel, die ich, überzeugter Festländer, nach der Lektüre als geborener Insulaner verlasse. Hinaus in eine Welt, die auch mich tanzt, um es mit der Feder, der 12 Gesänge zu sagen.»

An der Lesung wird Neneh Alexandrovic mit Band ihre Glossolalie-Songs vortragen. Es sind Lieder in einer völlig unbekannten Sprache. Mit dem Verstand ist dieser Sprache nicht beizukommen, denn sie fliegt über dem, was wir als Sprache kennen und sie gründet unter ihr. Die Lieder werden in der von Liebe und Sehnsucht, von Glück und Freude umspielten Weite der Musik den ZuhörerInnen nah und dringen unmittelbar zum Herzen …
http://www.nenehmusic.ch/

10. November 19.30 Uhr Kirche Scharans, Abendkasse 28.-/20.-



5 Kolumnen Mai bis September in der Südostschweiz

am September 26, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Scharanser Zwischenrufe

Die ersten 5 Kolumnen in der Südostschweiz nals PDF

  1. Der Leute Zorn
  2. 2. Der Leute Sehnsucht
  3. 3. Der Leute Kunst
  4. 4. Der Leute Kultur
  5. 5. Der Leute Nahrung
    tbc



Leserbrief zur GPK in Sachen BKM skandal 2017

am Juli 30, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Leserbriefe

Ausgabe vom 6. Juli
Zum Artikel «GPK-Bericht zum Kunstmuseum lässt viele Fragen offen»

Jetzt wissen wir es. Die Causa BKM/Kunz war nicht so toll, aber alles soweit o.k. Der Präsident Heinz und seine GPK haben bei ihrer Recherche ausser «nicht optimaler Kommunikation» nichts Gravierendes herausgefunden. Es wurden Regierungsrat Jäger und zwei Chefbeamte befragt, Riccardo Thöni vom Personalamt und Barbara Gabrielli vom Ekud. Dazu der Direktor des Museums Stefan Kunz. Keine Untersuchung des Mobbings im Museum durch Befragung des Personals, keine substanzielle Beurteilung der schlechtesten aller Lösungen in Form des Doppeldirektoriums Kunz/Seeberger, keine Untersuchung gegen den externen Berater (intern als Berufskiller gefürchteten) Peter Hinnen, dessen Vorschlag, Kunz zu degradieren, geradewegs zum bekannten Skandal geführt hat. Weiter gab es keine Untersuchung zum Regime Gabrielli, das durch Mobbing und Bossing die Voraussetzung des Desasters geschaffen hat.

In der Gewaltenteilung der Demokratie ist die GPK die Einrichtung, welche und die Regierung und damit die Verwaltung kontrollieren und in gravierenden Fällen ermahnen oder gar sanktionieren muss. Meiner Meinung nach ist dies völlig ungenügend und absolut oberflächlich geschehen. Die Glaubwürdigkeit der demokratischen Einrichtungen in Graubünden habt dadurch ein weiteres Mal Schaden genommen. Der Weg, im Sinne der Allianzen und Seilschaften, im Sinne einer Einheitspartei, die sich selber nie wirklich kontrollieren wird, ist weiterhin breit und wohl begangen. Unangenehme Wahrheiten werden am Publikum vorbeigeschwiegen. Ein Zeugnis nicht gelebter Demokratie!

Linard Bardill aus Scharans

 



Der Doppeladler. Schweiz – Kosovo, Geschichte einer Verantwortung

am Juni 26, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Zur Frage, ob der Doppeladler territorial oder ethnisch zu verstehen ist?

Die kosovarisch/schweizerischen Heisssporne sind gebüsst nicht gesperrt worden. Glück gehabt. Lassen wir sie wieder guten Fußball spielen.

Aber doch noch einmal etwas zur Politik. Denn darum ging es trotz allen anders lautenden Bekenntnissen, gerade im Sport. Denn der Sport wurde immer schon als Mittel zu politischen Zwecken benutzt. Wenn es auch nur zum Zweck eines pazivistischen Bemühens, im Sinne von Sport statt Krieg geht. Das ist doch hochpolitisch, oder?

Zum Doppeladler: Da meinte jemand: es gehe nur um ein ethnisches nicht um ein territoriales Symbol. Das halte ich für nicht richtig:
Beim Doppeladler geht es allermeist um ein Reichssymbol. Von Byzanz bis zum heiligen römischen Reich deutscher Nation, von den Seldchuken bis bis zur K und K Monarchie. Der Doppeladler ist ein Ursymbol für das Zusammenführen von verschiedenen (ethnischen oder geografischen Teilen) in ein geeintes Reich.
dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Doppeladler
Nur ein Beispiel von vielen: zur Zeit der Völkerwanderung etwa nach 700 n.Chr. benutzten die byzantinischen Kaiser den Doppeladler als Symbol für die angestrebte Wiedervereinigung von West-und Ostrom.

Dabei ging es gerade nicht um eine Ethnie, sondern um Grossmachtspläne. Das selbe gilt für den albanischen Doppeladler. Er soll ein Zeichen sein, dass sich Albanien wieder zu seiner alten Grösse vereint. Das zeigt sich auch in den Träumen vieler Kosovaren, dermal einst mit dem Mutterland Albanien vereinigt zu werden. Das ist auch der Grund der serbischen Nervosität zu diesem Thema.
Zwar wären bei einer Vereinigung zB von Kosovo und Albaninen vor allem ethnische Albanier in diesem Reich. Aber wie immer auf dem Balkan: Es gibt keine Übereinstimmung von Territorium und Ethnie. Da sind immer verschiedene Völker im selben Gebiet beteiligt. Da geht es immer um um die Frage des Zusammenlebens und nicht um ethnische Reinheit. Die gibt es nur im Kopf, als Glaubensstruktur. Nicht aber in der Wirklichkeit.

Darum ist ein grossalbanisches Reich genauso eine Chimäre wie ein grossserbisches oder grossungarisches. Darum müssen wir den Nationalisten, die dahin streben, entgegen treten, auch wenn sie gute Fußballer sind. Auch wenn sie die Schweizer Hymne mitsingen. Auf dem Balkan kann es nur Krieg oder Zusammenleben geben. Und wir sind da ein gerütteltes Mass mit beteiligt. Denn hier in der Schweiz sind wir auch keine Ethnie, sondern eine Willensnation. Die Helvetic von 1848 hatte keine Ethnie im Sinn, sondern eine oder zwei Völker verbindende Ideen. Solche wäre das einzige Mittel gegen Hass und Nationalismus auch auf dem Balkan.

Trotzdem mag ich es den Heissspornen Shaka und Shakiri und ihrem Gutemensch-Kollegen Lichtensteiner gönnen, dass sie mit einer Busse und einem blauen Auge davon kommen. Was ich interessant finde, ist die Tatsache, dass niemand über die wirkliche politische Dimension des Konfliktes Serbien Kosowa Albanien (Bruch des Völkerrechts und damit Dammbruch für Kriege ohne Einverständnis der Uno, etc. ) geschrieben oder gesprochen hat. Oder habe ich da etwas verpasst …



Stolz und Trauer und der Kampf um gelebte Demokratie geht weiter

am Juni 12, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Stolz und Trauer. Der Kampf um gelebte Demokratie geht weiter, diesmal im Bezug auf die 4. Gewalt.

Von allen Beobachtern des Wahlkampfes festgestellt: Linard Bardill wurde ab dem 19. Mai durch die Somedia kaltgestellt. In den Richtlinien des Schweizer Presserates heisst es in Richtline 2.2: „Meinungspluralismus trägt zur Verteidigung der Informationsfreiheit. Er ist notwendig, wenn sich eine Medium in einer Monopolstellung befindet.“
Diesen Meinungspluralismus hat die SO profund verraten.

Doch dass Ende vom Lied ist stets der Anfang von einem neuen …



Graubündner Symposion zu Fragen der Globalisierung

am Juni 4, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Graubündner Symposion zu Fragen der Globalisierung

 DAVOS ist heute ein weltweiter bekannter Name. Das WEF eine wirkungsmächtige Gelenkstelle der so genannten „Globalisierung“

In Europa ist es als Kurort und Austragungsort des Spengler Cup schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts bekannt, durch den Zauberberg von Thomas Mann multipliziert, später Kirchners Werke.

Vergessen jedoch ist – auch in Graubünden selbst,  dass Davos bereits einmal im Focus der akademischen Welt Europas stand: die „Internationalen Davoser Hochschulkurse“ 1928-31 stellten ein unikates Ereignis in der Philosophie Geschichte des 20. Jahrhunderts dar, deren Echo im philosophischen Diskursen noch heute vernehmbar ist.

Am 18. März 1928 hielt Albert Einstein den Festvortrag des 1. Davoser Hochschulkurses. Er wurde zum bedeutendsten Ereignis in der Philosophie-Geschichte der Schweiz. Mit Blondel, Carl Schmitt, Paul Tillich Jean Piaget. Marcel Mauss u v.a. waren nicht nur viele der bedeutendsten Philosophen der Zeit anwesend, sondern ebenso führende Theologen (Tillich), Ethologen (Marcel Mauss), Linguisten (Piaget), Soziologen, Historiker.

Zum unvergessbaren Zentrum in der – durch die Zeitumstände – leider nur kurzen Geschichte der Davoser Hochschulkurse, 1929 eröffnet vom Bundesrat Motta, wurde jedoch die „Davoser Disputation“ im März 1929 jenes Jahres zwischen Ernst Cassirer und Martin Heidegger, den beiden in der universitären europäischen Welt damals bedeutendsten Philosophen……In Gegenwart u.a. von Levinas, Herbert Marcuse, Carnap, welche später selbst zu führenden Vertretern des denkerischen Diskusres Europas wurden.

Jürgen Habermas stellte sie später in einen Zusammenhang mit der Marburger Disputation zwischen Luther und Zwingli (1524), als „Paradigmen Konflikt der europäischen Philosophie“, in welchem Ernst Cassirer die humanistisch-klassische Tradition gegen die Existential-phänomenologische-Seins-Philosophie Heideggers zu verteidigen suchte. Sie wurde in mehrfachen Tradierungen bis 1973 neu veröffentlicht und findet ihr Echo bis heute in Dissertationen in Japan, den USA etc.

Heidegger hatte zu jener Zeit sein Hauptwerk „Sein und Zeit“ (1924-26) bereits veröffentlicht und damit einen Horizont eröffnet, vor welchem sich das DENKEN bis zu den bedeutendsten Gegenwartsdenkern ereignet: Levinas, Blanchot, J. Derrida und die noch lehrenden G. Agamben, der Heideggers legendäre Seminare in Le Thor noch selbst besuchen konnte, Jean Luc Nancy,

Das gegenwärtige Denken ist durch die so genannte „Globalisierung“, welche 1989-90 durch das Ende des Ideellen Streites West- Ost gleichsam explodierte, aufs äusserste herausgefordert.

Der Kantische Traum vom „Weltbürgertum“ oder Hegels „Weltgeist“, Schillers-Beethovens Hymne alle Menschen werden Brüder droht sich zu m Alptraum einer durchformartierten, aufs neue „unmündigen“ Karriere-und Spassgesellschaft zu verformen…………….das weltweite Netz der „schönen neuen Welt“ (Huxlej) hat eben mit diesem Begriff selbst schon seinen Schatten über alle Kontinente hinweg ausgeworfen

Skizze für die Realisierung eines philosophischen Symposions in Graubünden

GASTGEBER: Regierung GR (wie WEF)

Organigramm zu erstellen wie WEF-GR

Kurator, Programm Kommission, Organisation, Finanzieruns etc.

1. Symposion im 49. Jahr des WEF 2019 Juni
Woche ev um den Johannistag -tag herum ( Anlehnung Johannis: Vox Clamans) oder auch an Pfingsten

Unter Beteiligung aller Churer Kulturinstitute: Theater BKM, Kibühni, Konzerte, Musikschule, Kantonschule, Hochschulen, Kirchen, Nietzschehaus, Davoser Musiktage, Kircchnermuseum etc

Grundkonzeption: Komplettierung des WEF–„Spirit of Davos“ philosophisch-theologisch-etc. keine Gegen Veranstaltung, jedoch notwendige Komplettierung in Wiederaufnahme der DAVOSER HOCHSCHULTAGE…………

Anmerkung: das Open Forum – seit 2003 – am WEF ist so gut wie nur Davosern zugänglich, zudem nur eine Fussnote zu den anstehenden Phil. Fragen, doch ist eine Zusammenarbeit wie dem WEF überhaupt mit dem Open Forum anzustreben

Gastredner am Do-So

Zentren: Rathaus und Theater.

Kanton zusammen mit der Stadt Chur , Davos, Chur-tourismus, Hotel Stern etc…..

Gastredner (anzufragen)

-G. Agamben -J.L. Nancy -Wendy Brown – G. Vattimo – J. Ziegler – Cohn Bendit – Badiau – Zizek – Calmy Rey – F Cavalli – Remo Largo… – Andreas Gross

tbc

 

 

 



die Gleichheit vor dem Gesetz

am Juni 1, 2018 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Ergänzung vom 1.Juni zum Eintrag vom 31. Mai:

Die SVP behauptete gestern gemäss dem Antrag der Geschäftsprüfungskommission für eine PUK, könne die Regierung in der PUK Einsitz nehmen. Das ist von der Südostschweiz ungefiltert und ungeprüft übernommen worden. Heute am 1. Juni wurde der Antrag  auf www.gr.ch veröffentlicht.

Daraus geht klar hervor, dass die Regierung zwar keinen unmittelbaren Einsitz in der PUK nehmen kann. Aber Artikel 10 räumt ihr Rechte ein, die andere Involvierte nicht haben:
Der Antrag gesteht der Regierung in Artikel 10 als einzige Beteiligte das Recht ein, bei Anhörungen von anderen Betroffenen anwesend zu sein. Das kann dazu führen, dass ein Abteilungsleiter vor der PUK UND seinem Chef aussagen muss, was ihn in Nöte bringen kann, die Wahrheit zu sagen. Deshalb muss Artikel 10, Abs. 1 gestrichen werden.

Zudem Nach Artikel 10 Abs 4 kann die UK die Rechte der Regierung einschränken, wenn das Interesse an der Untersuchung oder der Schutz betroffener Personen es erfordert. Das „kann“ ist unklar und öffnet der Willkür Tür und Tor. Es muss daher im Sinne der Gleichheit aller vor dem Gesetz umformuliert werden.

(Ende der Ergänzung)

 

Eintrag vom 31. Mai

Die Einsitznahme eines Regierungsvertreters in die PUK rund um die Preisabsprachen im Bauskandal im Unterengadin muss im folgendem Licht betrachtet werden:

  1. Einzelne Vertreter der Regierung sind Teil des Untersuchungs Gegenstandes. Ihre Befangenheit ist nicht weg zu diskutieren.
  2. Die Aufsicht über die Regierung hat das Parlament. Dies entspricht der Gewaltenteilung in der Demokratie. Nach intensiver Recherche ist uns in der Schweiz kein Fall bekannt geworden, indem die Exekutive Einsitz in einer PUK hatte, in der sie selbst Gegenstand der Untersuchung war.
  3. Da die Regierung eine Kollegialregierung ist, sind grundsätzlich alle Regierungsräte in diese Untersuchung einzubeziehen. Sie haften gemeinsam.Das heisst auch ein auf den ersten Blick nicht direkt involvierter Regierungsrat ist untersuchungstechnisch gesehen ein Teil der Untersuchung. Die Tatsache, dass das  Regierungskollektiv bisher noch nicht mit internen Untersuchungen reagiert hat, involviert automatisch alle Regierungsvertreter in den Fall. Es könnten also durchaus auch Mitglieder der Regierung in den Fokus einer Untersuchung kommen, die jetzt als Unbeteiligte gelten.
  4. Die Verwaltung ist dem Regierungsrat unterstellt und wird in dieser PUK auch Gegenstand der Untersuchung sein. Regierungsmitglieder in der PUK können diese Untersuchung beeinflussen.

Fazit:

Aus staatsrechtlichen Überlegungen im Sinne der Gewaltenteilung, die der Grundpfeiler der Demokratie ist, fordere ich eine unabhängige, investigative Untersuchung aller Vorkommnisse durch eine neutrale PUK

 

 



Kolumne SO 2 / der Leute Sehnsucht

am — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Heute erschien meine 2. Kolumne in der Südostschweiz.

In meinem Vertrag als Kolumnist steht: Keine Werbung in eigener Sache. Das ist gut so! Denn im Moment darf es nicht um eigene Sachen gehen. Es geht um die Demokratie und die geht uns alle etwas an. Denn Demokratie ist nicht wie ein gemachtes Bett, sondern wie ein Vogelnest, das die Vögel jedes Jahr wieder ausbessern oder gar neu machen. Die Demokratie ist im Kommen, sagt der französische Philosoph Jaques Derrida und zwar dauernd. Sie muss von den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder von Neuem errungen werden.

Ohne Gespräch und offenen Meinungsaustausch gibt es nur Filz, keine Demokratie. Auch wenn wir Harmoniebedürftigen lieber nur nette Gespräche haben und die Esoteriker glauben, man solle ausschliesslich das Positive nähren. Beide verkennen das Leben und die Politik. Denn der Mensch ist nicht nur gut, er hat eine Gravitation zum Materiellen hin, ist von Gier getrieben und hat ein Bedürfnis mächtig zu sein, sich über die Mitmenschen zu erheben. Es gibt aber auch die Kraft zum Guten und zum Wahren. Sie lebt in uns als Gewissen. Wer aber mahnt die Mächtigen, wenn die Sachzwänge und die Gravitation zur Macht stärker sind als ihr Gewissen?

«He he Frau Meier», ruft der Hans Jakobli im Lied von Mani Matter, «mached doch nid eso ne Krach». Der Krach entsteht dadurch, dass Babettli auf dem Taburettli herumstampft und poltert und ihr Ego auslebt. Weil Hans aber «topplet» muss sie herunter von ihrem hohen Sitz und es wird gewechselt. Hans Jakobli steigt aufs Taburettli und das Spiel findet «disewä» statt. Der Schluss des Liedes: I wett fasch säge: «D’Wält wär freier, we meh würd grüeft: He he Frou Meier!»

Graubünden ist gerade in der He, He Frau Meier-Phase. Wobei bei uns die Frau Meier ein ganzer Männerklub ist.

Demokratie funktioniert durch eine ausgeklügelte Gewaltenteilung. Die einen machen Gesetze, die anderen setzen sie durch, die dritten entscheiden in Streitfällen. Und dann gibt es noch die vierte Gewalt. Das ist die freie Presse. Diese vier Gewalten müssen unabhängig voneinander sein. Leider sind die ersten drei Gewalten fast ausschliesslich von den Parteien dominiert. Diese stellen den Grossen Rat, die Regierung und die überregionalen Richter.

Stellen Sie sich vor, jemand erleidet ein Unrecht seitens der Behörde. Er will sein Recht, aber der Richter ist in der gleichen Partei, wie das Behördenmitglied, oder der Politiker, der ihm Unrecht angetan hat. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass die Person ihr Recht bekommt?

Ähnlich steht es mit der Presse. Vor den Wahlen investieren die Parteien Hunderttausende von Franken in die Kampagnen ihrer Kandidaten. Die Presse lebt davon. Wie wahrscheinlich ist es, dass die Presse massiv gegen ihre Kunden anschreibt?

Und ähnlich steht es mit der Kulturförderung. Kunst ist ein Gegenentwurf zur Realität. Gute Kunst ist oft sperrig, die Künstler ab und zu schwierig. Der Staat soll nun die Kunst fördern, die ihn selbst in Frage stellt.

Alles ist mit allem verbunden. Der Staat muss Mechanismen schaffen, damit die Gewaltenteilung funktioniert. Weg vom Kumpanenklub, weg von den Clans, weg vom Lobbyismus. Hin zu Transparenz und Kompetenz.

Die letzte Garantie für die Freiheit und Demokratie liegt in der Schweiz bei den Leuten. Bei uns! Es gibt keine Ausrede. Wir Stimmenden und Wählenden müssen immer wieder der Demokratie zu ihrem Kommen verhelfen. Sonst bleibt nur der Filz. Und der ist grausam und extrem unsexy!