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Kolumne im Juni SO

am Juni 19, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

SCHARANSER ZWISCHENRUFE
Demonstrieren, aber wofür?

Linard Bardill* über eine Einladung zum Lebendigsein

Die Leute wollen wieder raus. Die Jungen wollen demonstrieren, die älteren Semester schwurbeln über Schaumküsse mit Schokoguss, tragen ihre Wohlanständigkeit oder ihren Nonkonformismus zu Markte, dass die Empörungswellen nur so herüber- und hinüberschwappen – immer in Erwartung einer nächsten Sau, die schon bald durchs Dorf getrieben wird.

Wir brauchen etwas, worüber wir uns nerven und empören können. Was in dieser Empörung über den Streit um Begriffe gern auf der Strecke bleibt, sind die wirklichen Probleme. So darf man zwar nicht mongoloid sagen, man darf aber die Kinder mit Trisomie 21 bis in den achten Monat abtreiben.

Wir können uns gerne um das Wort Rasse balgen. Es entstand im 16. und 17. Jahrhundert, um die Minderwertigkeit der Afrikaner zu beweisen und die Überlegenheit der Weissen. Leider ist das Wort auch in Antirassismus drin. Die Katze beisst sich in den Schwanz.

Es zählt nur die Tat, die über das Gerede hinausführt. Haben sie schon einmal Menschen getroffen, die aus einem kriegsversehrten Land wie Syrien, Afghanistan oder Libyen kommen? Es gibt sie! In Laax, Cazis, Trimmis oder Seewis. Grade neben dran. Wir könnten ihnen – nach Corona wieder problemlos – einen Besuch abstatten. Wir können sie fragen, wie sie sich fühlen, wie es ihnen geht, wie es um ihre liebsten Verwandten in ihren Ländern steht. Es sind Menschen, wie wir. Sie gehören zu uns, wie wir zu ihnen gehören. Sie sind keine Flüchtlinge, sie sind Menschen auf der Flucht.

Wir glauben doch, dass die Moderne der Höhepunkt der Entwicklung des Homo sapiens sei. Wir glauben doch, dass die Verheissung nach dem Streben nach Glück uns allen angeboren sei. Diesen Traum haben wir in die Köpfe und Gesellschaften rund um den Globus getragen: Emanzipation, Demokratie, Gleichheit. Und Autos, Flatscreens, Fleisch, alles ohne Ende, ohne Grenzen.

Dabei haben wir die Grenzen längst überschritten. Die Erde schlägt zurück, die Vielfalt des Lebendigen verschwindet, die Menschen ganzer Kontinente verarmen. Doch sie wollen auch von diesem Überfluss haben, den sie jeden Tag auf ihren Handys sehen.

Unsere Logik hat monströse Züge. Wir wollen die ganze Welt besitzen, aber die Welt soll gefälligst draussen bleiben. Diese Welt, die wir Natur nennen und unsere Lebensgrundlage. Auch diese Begriffe sind wie Bretter vor unseren Köpfen. Denn sie zeigen, dass wir die Erde und ihre Wesen als unser Eigentum betrachten. Dabei gehören sie sich selbst. Das können wir bei einem einfachen Waldspaziergang erfahren. Diese Erfahrung ist erst einmal ein Schock. In ihr aber liegt auch Trost. Denn sie lässt uns zur Lebendigkeit vorstossen.

Das Leben ist mehr als organisches Material. Das Leben ist ungestümes Werden und Vergehen. In uns stirbt und wird das Leben unablässig. In uns kommen und gehen jeden Tag Millionen von Zellen, ohne Recyclinggebühren, cradle to cradle. Das Leben ist ein lebendiger Kreis, in dem auch der Tod aufgehoben ist, die Verwandlung, die Metamorphose.

Darin sind wir uns alle gleich, die Bienen und die Elefanten, die Wolken und die Meeresströme, die Sardinen und die Bergspitzen, die weissen Menschen und die dunklen Menschen. Dieses Lebendigsein kann weder gekauft noch verkauft werden, es gehört allen und alle gehören ihm.

Ich möchte mich von den toten Streitereien um leere Begriffshülsen dem Lebendigen zuwenden. Alles andere ist vertane Zeit!

Linard Bardill ist Liederer und Autor. Er lebt in Scharans und ist Vater von fünf Kindern.



Aufruf zur Ekstase

am Mai 26, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Kolumne Mai 2020

Scharanser Zwischenrufe
Auffahrt ok, aber wohin?

Linard Bardill

Einladung zur Extase

Ich bin umzingelt von Leuten die Beschneid wissen. Über den Bundesrat. Über die Demokratie. Über Bill Gates. Über die Ansteckungsgefahr von Kindern. Über die DNA Analysen des sich ständig mutierenden Virus und die Hoffnungslosigkeit überhaupt einen Impfstoff zu finden.

Und sie wissen alle Bescheid über die Finanzen, die Wirtschaft, die Auswirkungen. Sie wissen, dass (fast) alles völlig sinnlos war und was man sicher nicht mehr machen darf.

Mein Problem ist nur, dass jeder etwas anderes weiss und jeder es ganz genau weiss und glaubt und laut weiss und noch laute zu argumentieren beginnt, sobald ich im Gespräch Wissen und Glaubenssätze von anderen Genauwissern einbringe.

 

Was bei mir vor lauter Informationen, Youtubefilmchen und Nzz Artikeln auf der Strecke zu bleiben droht, ist die Gelassenheit, das Vertrauen, Humor und Standfestigkeit, die Liebe zu den Menschen und Tieren, zur Erde und überhaupt:

Wie geht es ihnen? Spüren sie auch so eine innere Dimension dieser Krankheit, obwohl sie vielleicht nicht erkrankt sind, ja eventuell nicht einmal jemanden kennen, der daran erkrankt ist. Eine innere Unsicherheit, eine Leere, eine Einsamkeit, die sich trotz des langsam sich wieder etwas normalisierenden Alltags noch immer tief in den Knochen steckt?

Bei mir gibt es diesen Bruch, den die Pandemie in unser Leben gerissen hat und ich brauche recht viel Kraft, mich nicht hinunterziehen zu lassen, zu den Demokratieverlustkobolden, zu den Untergangsdämonen, und den Verschwörungstoggis, die mir den Blick auf den langsam schneefrei werdenden Beverin, den unbändig pfeifenden, blühenden Frühsommer verstellen und mich so merkwürdig haben werden lassen, dass ich mich nicht mehr getraue im Laden jemanden anzusehen.

«Haben sie einen 10er» fragte mich eine Frau in der Tiefgarage vor dem Parkautomat. Wow, ich hätte ihr auf der Stelle eine Zehner Note gegeben. Doch sie lächelte mich auch für 10 Rappen an.

«Seien sie unbesorgt, die Wende kommt», höre ich mich sagen und sie nickte mir augenzwinkernd zu. Wenn ich nicht glücklich verheiratet wäre, ich hätte sie auf der Stelle aufs Standesamt geschleppt.

 

Apropos Glück. Können sie sich vorstellen, dass Glück ganz wenig mit Material zu tun hat? Wir, die wir uns täglich und wacker schlagen in der Schlacht um den Materialoverkill, können jetzt vielleicht gewahr werden, dass ein Lächeln mehr Glück sein kann, als ein neuer Lamborghini.

Da wäre vielleicht der archimedische Punkt, mit dem wir die Welt aus den Angeln heben. Dort wäre vielleicht die ganze wilde Fahrt in den Abgrund zu stoppen, oder zu drehen. Die Räuberbrut des Homo Sapiens , die plötzlich inne wird, wenn sie ein neues Ideal, eine neue Vision vor ihr äusseres und inneres Auge bekommt …

 

Ungeachtet der 1000 Artikel, Verschwörungsfilmen, Predigten und FB-Einträge, ungeachtet der Ängste und Panik vor Impfschäden und übelsten Zukunftsszenarien:

Werfen wir uns den Wolken zum Frass vor! Noch fliegen die ungestüm sanften Schwestern ungetrübt von Kondensstreifen über den leeren Himmel und spielen täglich ihre Stratosphärensynfonie an den Hängen unserer Berge und Hügel.

Seien sie unbesorgt, die Wende kommt! In unseren Herzen, in unseren Köpfen, in unserem Leib, denn wenn sie dort nicht kommt, wird sie nirgends kommen.



1 Milliarde Schweine Kolumne April 2020 Südostschweiz

am April 24, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

1 Milliarde Schweine Kolumne April 2020 SO

Eine Milliarde Schweine

Linard Bardill*über die Chancen der Pandemie II

Der Widerstand der globalen Fleischindustrie ist gewaltig. Wogegen? Gegen das Aufdecken der Auswirkung unserer Massentierproduktion. Letztes Jahr wurden eine Milliarde Schweine geschlachtet. Pro acht Erdenbewohner ein Schwein. Und dann noch fast so viel Geflügel und dann noch halb so viel Rinder. Gefüttert wurden die Tiere mit Soja, Mais, Weizen und anderenLebensmitteln, mit denen man zwei bis drei Milliarden Menschen ernähren könnte.

«Sind Sie Vegetarier?», schallt es mir nach der Erwähnung dieser Tatsachen meist genervt entgegen. «Nein, ich versuche grade mit Verstand zu essen.» Dann entzünden sich heisse Diskussionen über veganen Faschismus, flexitarische Glaubwürdigkeit und die Chinesen, sowieso die Schlimmsten.

Heute haben wir Pandemie, und ich will nicht noch mehr schlechte Nachrichten bringen. Warum nicht etwas Aufgestelltes? Zum Beispiel: Die Evolène-Rinder von Lukas und Fabienne Buchli in Scharans, die sehr glücklich sind und deren Fleisch vorzüglich schmeckt. Einmal in der Woche glückliches Rind? Wäre das positiv?

Oder: Eine Milliarde Schweine haben auf den Alpen nicht Platz. Aber ein- bis zweimal im Monat Schweinefleisch von Schweinen, die nicht gefoltert, sondern liebevoll aufge-zogen wurden, würden doch ausreichen, um den Bedarf an Vitamin B12 zu decken.

Die Produktion von Fleisch ist weltweit einer der grossen Klimakiller. Und das Leid der Tiere in den Massenzucht-Ställen schreit zum Himmel. Das kann man bei der Böll-stiftung (Fleischatlas 2018 – Rezepte für eine bessere Tierhaltung) nachlesen.

Da werden kluge Fragen beantwortet: Was hat das Schnitzel auf unserem Teller mit dem Regenwald im Amazonas zu tun? Und wie hängt es mit ländlicher Armut und Hunger in Kamerun zusammen? Wie werden die Tiere, die wir essen, gehalten und welche Auswirkungen genau hat die Massentierhaltung auf unser Klima? Der Fleischatlas sagt aber auch, wie und was wir alle ändern können. Wir, die Bauern, die Wähler, die Politik, und Sie und ich, die wir Esser sind und Esserinnen. Das ist grossartig.

Nun, jetzt haben wir Pandemie und kaum jemand interessiert sich in so einer Notsituation, wie wir die unendlich grössere Herausforderung, ein neues Klimaregime, in den nächsten 10 bis 30 Jahren managen wollen. Im Moment wissen wir nur ganz sicher, dass wir ganz sicher nichts sicher wissen.

Könnten wir unsere Zeit noch anders nützen? Wenigstens diejenigen, die noch im Lockdown sitzen. Könnten wir uns überlegen, wie wir weiterfahren, oder genauer, wie wir diese Menschheitskurve kriegen wollen?

30 Prozent der Regenwürmer sind vom Aussterben begriffen. In der Schweiz! Nicht nur die Gorillas in Borneo, nein, die Bienen und die Singvögel und die Schmetterlinge, unsere Freunde, unsere Partner, unsere Erde. Jetzt hätten wir kurz Zeit für die Zukunft! Jeder Einzelne. Mit dem Entscheid, wie es nach dieser Krise weitergehen soll:

Mit den mobilen Dreckschleudern, unseren heiligen Kühen, mit unserer Modernisierungs-Utopie, welche mindestens neun Erden benötigt. Wie weiter mit den globalen Bossen, die schon lange nicht mehr glauben, dass es für alle reicht. Und mit unserem Alltag, in dem wir bestimmen, wie es läuft: zum Beispiel mit der Wahl dessen, was uns auf den Teller kommt.

Bardill ist Liederer und Autor. Er lebt in Scharans und ist Vater von fünf Kindern.

 



Quarantäne Konzert aus dem Atelier

am April 19, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Quarantäne Kinderkonzert aus dem Atelier Bardill mit Bajour und Sternschnuppe

https://bajour.ch/a/xJCAAXCloXQgiZRJ/linard-bardill-ein-konzert-mit-besonders-viel-furz?fbclid=IwAR1aNgBSPtNFdooLOb8jcTgNdtl74DmYxxc7ypLo7Xng0IWaOrpAX1BZT0A



Bardill neustes Programm

am April 17, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Vor der Krise ist nach der Krise
(Ich freue mich über die ruhe und ich freue mich auf das Gewusel) LB

Liedermacher mit Gespür

Linard Bardill bewies einmal mehr, dass sein Programm nicht einfach ab Stange daherkommt.

Katrin Brunner (Text und Bild)

Sie seien etwas überrascht gewesen beim Anblick ihrer jungen bis sehr junge Besucherinnen und Besucher, gab LinardBardill im Anschluss an das Konzert zu. So viele Kleinkinderund Babys waren anwesend, dass sich die beiden Musiker spontan dazu entschlossen, ihr Repertoire ihren jüngsten Fans etwas anzupassen.

Linard Bardill und Bruno Brandenberger, der Mann am Kontrabass liessen die kleine Bühne mitten im Saal aufbauen, statt von der grossen bestehenden Bühne, quasi «von oben herab» zu musizieren. «Unser Konzertwar richtig unique-mässig.Wir waren heute wie eine grosse Familie», schwärmte Brandenberger.

Ein Konzert für Aktive

Linard Bardill erzählte berührende Geschichten, wie diejenige des schwerkranken Mädchens im Spital, welches er im Rahmen seiner «Bettkantenkonzerte», die er regelmässig in verschiedenen Spitälern durchführt, besuchte. Sie wünschte sich ein Lied, welches er ihr denn auch schrieb und etwas später vortrug. Der Bündner Musiker sang bekannt Lieder, wie dasjenige über seine Geiss, oder über den Esel von Martin und berichtete weiter

vom Doppelhasen. Tiere sind allgegenwärtig in seinen Texten. Die Musik dazu war professionell und reichte von Jazzklängen bis zu volkstümlichen Elementen. Das kommt nicht von ungefähr, spielt Bruno Brandenberger doch inweiteren Ensembles, unter anderem auch in Jazzformationen.

Linard Bardill ist seit über dreissig Jahren im Geschäft, und seine Musik und seine Geschichten für Erwachsene sind ebenso bekannt wie diejenige rund um den Doppelhasen oder die des Esels.

Eltern, die sich diesen Morgen wohl dachten, ihr Nachwuchs sei nun eine Stunde lang unterhalten und sich entspannt zurücklehnten, sahen sich getäuscht. Die beiden Musiker luden nicht nur die Kinder ein, zu singen und mit zu tanzen. Auch Väter und Mütter wurden aufgefordert, die Lieder teilweise mit Gesten und Gesang zu begleiten.

Kinder sind das «Bühnenbild»

Linard Bardill und Bruno Brandenberger kamen ohne Kulisse aus. Ihr junges Publikum bildete das «Bühnenbild». Sei es als Piraten, oder deren Verehrerinnen oder aber als Esel, die mit den Ohren wackelten. Dazu holte sich Linard Bardill immer wieder Kinder auf die Bühne, die dem Ruf begeistert nachkamen. Mit Gesten und mit fleissigem Mitsingen kam keine Langeweile auf.

Dem Publikum gefiel der Mix von Musik und Aktivität. Für einmal wieder mitklatschen und mitwinken, ohne Angst, es könnte lächerlich sein, schien den Erwachsenen sichtlich Spass zumachen. Die Kinder mussten für einmal nicht stillsitzen, sondern durften sich im Saal frei bewegen. Das gab demAnlass schon fast einen Volksfestcharakter, oder eben, wie es Bruno Brandenberger beschrieb, wie eine grosse Familie und deren Fest.



am April 2, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe.ch präsentiert:
ab So. 5. April 2020 10’00 Uhr Hauskonzert mit
Linard Bardill, Liun und  Bruno Brandenberger
,
Lieder und Geschichten zum Lachen, Träumen und mitsingen.

https://www.youtube.com/watch?v=1VoCPYtyd30



Kolumne SO März 20

am März 20, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Ein Gedicht geht viral

Linard Bardill über die Chancen der Pandemie

Ein Gedicht geht viral. Die Autorin ist weder auf Wikipedia noch irgendwo sonst im Netz zu finden, ausser als Autorin eben dieses Gedichtes. Pseudonym, anonym, ohne das Kind beim Namen zu nennen, nennt das Gedicht die Wege, die uns bleiben, uns, die wir zu Hause bleiben sollen, weil da draussen etwas abgeht, das wir so schon lange nicht mehr erlebt haben.

Noch gibt es Abwinker, Leugner, Verschwörungsgewisse, halt diejenigen, die es schon immer wussten. Je mehr aber ein Minimum an Mathematik ins Bewusstsein von uns allen dringt, eine Vorstellung von exponentiellem Wachstum, ausgelöst durch einen Bericht eines Arztes aus den Seuchenorten, ein Blick in die 14 Seiten Todesanzeigen der Stadt Bergamo, der verzweifelte Aufruf des Chefarztes eines betroffenen Spitals …

Je mehr auch unser Herz mitfühlt, wir für die Bedrängten einstehen lernen, für die Oma oder den Mukoviszidose-Patienten zu Hause bleiben, weil wir die logarithmische Kurve herunterbiegen, den Diagrammberg zu einem Hügel machen wollen.

Umso mehr schaffen wir es vielleicht auch, unser Leben anzuschauen, unseren Burn-out-Modus zu reflektieren. Unser wirkliches Unheil zu durchschauen.

Der Ausstieg aus dem Hamsterrad muss nicht unbedingt Einstieg in Hamsterkäufe oder anderen Beschäftigungs-Stress sein. Vielleicht erreicht uns dieses Gedicht und wir atmen durch, erfahren einmal ganz elementar, dass wir ein Teil dieser wunderbaren Erde sind, aus und ein, aus und ein. Dass wir Teil sind des Werdens, Seins und Vergehens, gemeinsam mit allen Wesen dieser Erde, dass wir Wasser, Luft und Feuer sind – und Viren.

Verzeiht mir den Exkurs: Die Hälfte in unserem Erbgut besteht aus mehr oder weniger verstümmelten Virengenen, die man heute noch nachweisen kann. Einige sind hundert Millionen Jahre alt. Darum bleib ich auch ganz gerne mal zu Hause, denn mit dem ewigen Hände Desinfizieren gehen gleich noch Millionen guter Bakterien und Viren kaputt. Ende Exkurs.

Vielleicht sind auch wir so ein Räuberwesen auf unserer Erde wie das aktuelle Virus. Wir zerstören unsere Wirtin, bis die Menschen-Kurve wieder runtersaust. Oder schaffen wir es – wie bei der Infektion –, den exponentiellen Faktor herunterzuziehen, und aus dem Berg einen Hügel zu machen, dass die Erde wieder eine Chance bekommt, uns eine Chance zu geben? Dann wäre der Virus ein Teil unserer Rettung. Davon erzählt das Gedicht. Ich wage, es hier zu veröffentlichen, es möge auch bei uns viral gehen.

… und die Menschen blieben zu Hause.

Sie lasen Bücher und hörten einander wieder zu, sie erholten sich und widmeten sich der Kunst, spielten Spiele und lernten neue Wege kennen, um sich selbst zu begegnen und in der Stille zu sein.

Sie hörten einander zum ersten Mal richtig zu, manche meditierten, andere beteten, einige tanzten. Manche begegneten ihrem Schatten. Und die Menschen fingen an, anders zu denken. Sie wurden gesund. Und als die Menschen nicht mehr herzlos, ignorant und ohne Verstand lebten,begann auch die Erde zu heilen.

Und als die Gefahr vorüber war,und die Menschen wieder zusammenfanden, als sie getrauert hatten und neue Entscheidungen trafen, eine neue Vision hatten, neue Wege betraten, heilte auch die Erde in dem Mass, wie sie selbst geheilt waren.

Kitty O’Meara



Konzertlesung

am März 4, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

am 11.3. 20’oo  Konzertlesung KLYBÜHNE Chur

8- TUNG KONTINGENT!
NUR 49 KARTEN!

 

DIE INSEL

 

Lesung und Lieder mit Linard Bardill

 

Seit vier Jahren richtet Linard Bardill in seinem Atelier Tagungen zum Thema «Sterben für Anfänger» aus. Dabei entstand ein grosser Zettelkasten mit Liedern, Vorträgen und Essays. Aus den gesammelten Texten wollte Bardill ein Sachbuch zum Thema Leben und Sterben schreiben. Er zog sich im Winter 2017/18 für zwei Wochen auf die Insel La Gomera zurück.

Und es kam ganz anders als geplant. Schon auf der Fähre schrieb er das erste Gedicht und in kurzer Zeit entstand «die Insel», ein Poem in 12 Gesängen.

Linard Bardill liest aus seinem geschriebenen Poem. Dazwischen singt er rätoromanische Lieder. Echos auf Giovanni Segantinis Triptichon «Werden – Sein – Vergehen». Die Bilder sind Teil der Vorstellung.

 

Mittwoch, 11. März 2020, 20.00 Uhr

Klibühni, Das Theater. Kirchgasse 14 · CH-7000 Chur

Reservationen: www.klibuehni.ch

oder Tel. 081 252 48 04 (Mo – Fr, 10 – 12 Uhr)



am Februar 24, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Justitia im Würgegriff Kolumne SO vom 21.2.20

Linard Bardill

Über die Abschaffung der Parteirichter

Simone Weil, eine Mystikerin und Partisanin, schrieb über Parteien, sie seien: „eine Maschine zur Fabrikation kollektiver Leidenschaft“, als Organisation übten sie zweitens „kollektiven Druck auf das Denken ihrer Mitglieder aus“; und ihr einziger Zweck sei schließlich das eigene, unbegrenzte Wachstum.

«Aufgrund dieser drei Merkmale ist jede Partei in Keim und Streben totalitär. Wenn sie es nicht in Wirklichkeit ist, dann nur, weil die anderen Parteien um sie herum es nicht weniger sind als sie.“

Nun, solche Sätze sind radikal. Sie gehen an die Wurzel. Gerade darum sind sie bedenkenswert. Dies wird in Graubünden momentan in einer Deutlichkeit klar, die nichts zu wünschen übriglässt.

Denn ein veritabler Justizskandal soll aufgeklärt werden: Der Kantonsgerichtspräsident, Herr Brunner, der ins Schussfeld geraten ist, gehört der christlichen Volkspartei an. Der Vorsitzende der Grossratskommission, die den Sachverhalt untersucht, Herr Bondolfi, gehört auch der christlichen Volkspartei an. Werden die Grossräte ihre Parteikolleginnen ins Gefängnis bringen, oder ihres Amtes entheben?

Diese Verbandelung ist nichts CVP Spezifisches!  Bei den anderen Richterinnen und Kommissionsmitgliedern decken sich die Parteimitgliedschaften ebenfalls weitgehend.

Bei den Wahlen der Richterinnen und Richter besteht ein fundamentales Problem des demokratischen Rechtsstaates auf Bundesebene wie in den Kantonen. Die Richter werden von den Parteien nominiert und kontrolliert.
Wo bleibt da die in den Verfassungen garantierte Unabhängigkeit der Justiz?

Wo bleibt die Gewaltenteilung?

Diese Tatsache bedeutet nämlich, dass die Parteipolitik über der Judikative steht. Sie ist in den Händen der Parteien, die per Konstellation vor allem anderen ihren eigenen Einfluss und ihre eigene Vergrösserung im Sinn haben und die Konkurrenz unter den Parteien wird in die Gerichte hineingetragen.

Das ist verheerend.

Das Volk ist der Souverän, nicht die Parteien. Bei Volksentscheiden kommt diese Tatsache immer wieder deutlich zum Ausdruck. Die Mehrheit der Leute ist nicht in einer Partei. Jeder aber ist auf eine unabhängige Justiz angewiesen.

Welche Alternativen zur Parteiwahl der Richter gäbe es:

  1. Bewährte und unabhängige, junge Juristen arbeiten sich insbesondere im Justizapparat hoch oder bewähren sich als Anwälte oder in anderen juristischen Positionen, bis sie von den bereits amtierenden Richtern oder anderen ausgewiesenen Juristen dem Parlament als Richter empfohlen werden.
  2. Die Parlamente wählen nur parteilich unabhängige Juristen als Richter.
  3. Unabhängige Juristen mit Gerichtserfahrung werden durch die Regierung vorgeschlagen und durch das Parlament bestätigt. (Deutschland)
  4. Die Richter werden durch das Wahlvolk gewählt. (zB Regionalrichter in GR)

 

Es geht hier nicht um eine vollständige Liste. Entscheidend ist, dass die Richter in all diesen Spielformen kein Parteibuch besitzen müssen.

Weil die überregionalen Gerichte nach dem Parteienproporz zusammengesetzt sind, ist dies bei uns de facto nämlich Bedingung Das hat für Richter die direkte persönliche Folge, dass, wer sich nicht zu einer Partei bekennen will, faktisch von der Richterlaufbahn ausgeschlossen ist.

Das müssen wir ändern, sonst wird es in Graubünden keine wirkliche Reorganisation und Remedur der ergebnisarmen und skandalumwitterten Justiz geben. Entweder durch das Parlament oder durch eine Volksinitiative!

 

 



Wirf dich den Wolken zum Frass vor Die Insel in Frauenfeld

am Februar 20, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Konzertlesung in Frauenfeld 22.2. 20 Eisenwerk 2015

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