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am April 2, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe.ch präsentiert:
ab So. 5. April 2020 10’00 Uhr Hauskonzert mit
Linard Bardill, Liun und  Bruno Brandenberger
,
Lieder und Geschichten zum Lachen, Träumen und mitsingen.

https://www.youtube.com/watch?v=1VoCPYtyd30



Kolumne SO März 20

am März 20, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Ein Gedicht geht viral

Linard Bardill über die Chancen der Pandemie

Ein Gedicht geht viral. Die Autorin ist weder auf Wikipedia noch irgendwo sonst im Netz zu finden, ausser als Autorin eben dieses Gedichtes. Pseudonym, anonym, ohne das Kind beim Namen zu nennen, nennt das Gedicht die Wege, die uns bleiben, uns, die wir zu Hause bleiben sollen, weil da draussen etwas abgeht, das wir so schon lange nicht mehr erlebt haben.

Noch gibt es Abwinker, Leugner, Verschwörungsgewisse, halt diejenigen, die es schon immer wussten. Je mehr aber ein Minimum an Mathematik ins Bewusstsein von uns allen dringt, eine Vorstellung von exponentiellem Wachstum, ausgelöst durch einen Bericht eines Arztes aus den Seuchenorten, ein Blick in die 14 Seiten Todesanzeigen der Stadt Bergamo, der verzweifelte Aufruf des Chefarztes eines betroffenen Spitals …

Je mehr auch unser Herz mitfühlt, wir für die Bedrängten einstehen lernen, für die Oma oder den Mukoviszidose-Patienten zu Hause bleiben, weil wir die logarithmische Kurve herunterbiegen, den Diagrammberg zu einem Hügel machen wollen.

Umso mehr schaffen wir es vielleicht auch, unser Leben anzuschauen, unseren Burn-out-Modus zu reflektieren. Unser wirkliches Unheil zu durchschauen.

Der Ausstieg aus dem Hamsterrad muss nicht unbedingt Einstieg in Hamsterkäufe oder anderen Beschäftigungs-Stress sein. Vielleicht erreicht uns dieses Gedicht und wir atmen durch, erfahren einmal ganz elementar, dass wir ein Teil dieser wunderbaren Erde sind, aus und ein, aus und ein. Dass wir Teil sind des Werdens, Seins und Vergehens, gemeinsam mit allen Wesen dieser Erde, dass wir Wasser, Luft und Feuer sind – und Viren.

Verzeiht mir den Exkurs: Die Hälfte in unserem Erbgut besteht aus mehr oder weniger verstümmelten Virengenen, die man heute noch nachweisen kann. Einige sind hundert Millionen Jahre alt. Darum bleib ich auch ganz gerne mal zu Hause, denn mit dem ewigen Hände Desinfizieren gehen gleich noch Millionen guter Bakterien und Viren kaputt. Ende Exkurs.

Vielleicht sind auch wir so ein Räuberwesen auf unserer Erde wie das aktuelle Virus. Wir zerstören unsere Wirtin, bis die Menschen-Kurve wieder runtersaust. Oder schaffen wir es – wie bei der Infektion –, den exponentiellen Faktor herunterzuziehen, und aus dem Berg einen Hügel zu machen, dass die Erde wieder eine Chance bekommt, uns eine Chance zu geben? Dann wäre der Virus ein Teil unserer Rettung. Davon erzählt das Gedicht. Ich wage, es hier zu veröffentlichen, es möge auch bei uns viral gehen.

… und die Menschen blieben zu Hause.

Sie lasen Bücher und hörten einander wieder zu, sie erholten sich und widmeten sich der Kunst, spielten Spiele und lernten neue Wege kennen, um sich selbst zu begegnen und in der Stille zu sein.

Sie hörten einander zum ersten Mal richtig zu, manche meditierten, andere beteten, einige tanzten. Manche begegneten ihrem Schatten. Und die Menschen fingen an, anders zu denken. Sie wurden gesund. Und als die Menschen nicht mehr herzlos, ignorant und ohne Verstand lebten,begann auch die Erde zu heilen.

Und als die Gefahr vorüber war,und die Menschen wieder zusammenfanden, als sie getrauert hatten und neue Entscheidungen trafen, eine neue Vision hatten, neue Wege betraten, heilte auch die Erde in dem Mass, wie sie selbst geheilt waren.

Kitty O’Meara



Konzertlesung

am März 4, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

am 11.3. 20’oo  Konzertlesung KLYBÜHNE Chur

8- TUNG KONTINGENT!
NUR 49 KARTEN!

 

DIE INSEL

 

Lesung und Lieder mit Linard Bardill

 

Seit vier Jahren richtet Linard Bardill in seinem Atelier Tagungen zum Thema «Sterben für Anfänger» aus. Dabei entstand ein grosser Zettelkasten mit Liedern, Vorträgen und Essays. Aus den gesammelten Texten wollte Bardill ein Sachbuch zum Thema Leben und Sterben schreiben. Er zog sich im Winter 2017/18 für zwei Wochen auf die Insel La Gomera zurück.

Und es kam ganz anders als geplant. Schon auf der Fähre schrieb er das erste Gedicht und in kurzer Zeit entstand «die Insel», ein Poem in 12 Gesängen.

Linard Bardill liest aus seinem geschriebenen Poem. Dazwischen singt er rätoromanische Lieder. Echos auf Giovanni Segantinis Triptichon «Werden – Sein – Vergehen». Die Bilder sind Teil der Vorstellung.

 

Mittwoch, 11. März 2020, 20.00 Uhr

Klibühni, Das Theater. Kirchgasse 14 · CH-7000 Chur

Reservationen: www.klibuehni.ch

oder Tel. 081 252 48 04 (Mo – Fr, 10 – 12 Uhr)



am Februar 24, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Justitia im Würgegriff Kolumne SO vom 21.2.20

Linard Bardill

Über die Abschaffung der Parteirichter

Simone Weil, eine Mystikerin und Partisanin, schrieb über Parteien, sie seien: „eine Maschine zur Fabrikation kollektiver Leidenschaft“, als Organisation übten sie zweitens „kollektiven Druck auf das Denken ihrer Mitglieder aus“; und ihr einziger Zweck sei schließlich das eigene, unbegrenzte Wachstum.

«Aufgrund dieser drei Merkmale ist jede Partei in Keim und Streben totalitär. Wenn sie es nicht in Wirklichkeit ist, dann nur, weil die anderen Parteien um sie herum es nicht weniger sind als sie.“

Nun, solche Sätze sind radikal. Sie gehen an die Wurzel. Gerade darum sind sie bedenkenswert. Dies wird in Graubünden momentan in einer Deutlichkeit klar, die nichts zu wünschen übriglässt.

Denn ein veritabler Justizskandal soll aufgeklärt werden: Der Kantonsgerichtspräsident, Herr Brunner, der ins Schussfeld geraten ist, gehört der christlichen Volkspartei an. Der Vorsitzende der Grossratskommission, die den Sachverhalt untersucht, Herr Bondolfi, gehört auch der christlichen Volkspartei an. Werden die Grossräte ihre Parteikolleginnen ins Gefängnis bringen, oder ihres Amtes entheben?

Diese Verbandelung ist nichts CVP Spezifisches!  Bei den anderen Richterinnen und Kommissionsmitgliedern decken sich die Parteimitgliedschaften ebenfalls weitgehend.

Bei den Wahlen der Richterinnen und Richter besteht ein fundamentales Problem des demokratischen Rechtsstaates auf Bundesebene wie in den Kantonen. Die Richter werden von den Parteien nominiert und kontrolliert.
Wo bleibt da die in den Verfassungen garantierte Unabhängigkeit der Justiz?

Wo bleibt die Gewaltenteilung?

Diese Tatsache bedeutet nämlich, dass die Parteipolitik über der Judikative steht. Sie ist in den Händen der Parteien, die per Konstellation vor allem anderen ihren eigenen Einfluss und ihre eigene Vergrösserung im Sinn haben und die Konkurrenz unter den Parteien wird in die Gerichte hineingetragen.

Das ist verheerend.

Das Volk ist der Souverän, nicht die Parteien. Bei Volksentscheiden kommt diese Tatsache immer wieder deutlich zum Ausdruck. Die Mehrheit der Leute ist nicht in einer Partei. Jeder aber ist auf eine unabhängige Justiz angewiesen.

Welche Alternativen zur Parteiwahl der Richter gäbe es:

  1. Bewährte und unabhängige, junge Juristen arbeiten sich insbesondere im Justizapparat hoch oder bewähren sich als Anwälte oder in anderen juristischen Positionen, bis sie von den bereits amtierenden Richtern oder anderen ausgewiesenen Juristen dem Parlament als Richter empfohlen werden.
  2. Die Parlamente wählen nur parteilich unabhängige Juristen als Richter.
  3. Unabhängige Juristen mit Gerichtserfahrung werden durch die Regierung vorgeschlagen und durch das Parlament bestätigt. (Deutschland)
  4. Die Richter werden durch das Wahlvolk gewählt. (zB Regionalrichter in GR)

 

Es geht hier nicht um eine vollständige Liste. Entscheidend ist, dass die Richter in all diesen Spielformen kein Parteibuch besitzen müssen.

Weil die überregionalen Gerichte nach dem Parteienproporz zusammengesetzt sind, ist dies bei uns de facto nämlich Bedingung Das hat für Richter die direkte persönliche Folge, dass, wer sich nicht zu einer Partei bekennen will, faktisch von der Richterlaufbahn ausgeschlossen ist.

Das müssen wir ändern, sonst wird es in Graubünden keine wirkliche Reorganisation und Remedur der ergebnisarmen und skandalumwitterten Justiz geben. Entweder durch das Parlament oder durch eine Volksinitiative!

 

 



Wirf dich den Wolken zum Frass vor Die Insel in Frauenfeld

am Februar 20, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Konzertlesung in Frauenfeld 22.2. 20 Eisenwerk 2015

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Diese Frage treibt mich um

am Februar 5, 2020 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Wenn wir etwas über die Welt oder uns selber sagen, sind wir immer darauf angewiesen, dass wir vereinfachen. Wollten wir die ganze Komplexität der Welt miteinbeziehen, wir kämen nicht zu einem einzigen Satz. Das liegt an der Sprache und an der Welt.

Wer möglichst viele Bezüge in seine Überlegungen einbeziehen will, wird schwer verstanden.

Wer handeln will, ohne grosses Erklären, schaut auf möglichst wenig Komplexität. Dem kann man funktionales oder praktisches Handeln sagen.

Der deutsche Philosoph, der antrat alle Werte umzuwerten, Friderich Nietzsche nennt das Total der Welt den Willen zur Macht.

Der Wille zur Macht fliesst durch alles, was wir als Welt erfahren.

Was wir als Moral ansehen ist der Versuch, diesen Willen zur Macht einzuengen, seiner Herr zu werden, ihn zu unterjochen. Die Starken, die Gewinner machen deshalb eine «Herrenmoral», die Verlierer eine Sklavenmoral.

Durch die Umwertung aller Werte wollte Nietzsche eine neue Moral schaffen.

«Nur der aristokratische Mensch, der selbstbewusst genug ist, sich selbst zu verherrlichen, sei wertschaffend. Der Herrenmensch denke in der Kategorie des oben und unten, der Hierarchie. Sein Maßstab sei gut und schlecht. Der Sklavenmensch hingegen, der ängstlich und skeptisch ist, folge dem Maßstab von Gut und Böse, weil er hierdurch ein Mittel sehe, seine Lage zu verbessern.»
Die Herrenmoral denkt in gut und schlecht. Die Sklavenmoral in Gut und Böse.

Wir sind heute in einer Zeit, in der Autokraten sich wieder zur Herrenmoral aufschwingen. Sie sind zu tiefst antidemokratisch, antimoralisch und antihistorisch. Wenn sie etwas als Böse bezeichnen, dann tun sie es nur, um die Sklaven davon zu überzeugen, dass ihr Tun gut ist. Sie sprechen von der Achse des Bösen und geben vor Gutes zu tun. Das Gute aber ist gut in ihrem Sinne: Praktisch, ihrem Willen zur Macht förderlich, Teil ihrer Herrenmoral.

Folgende Frage treibt mich um: Macht es Sinn das Schwache zu schützen? Macht es Sinn den Willen zur Macht in Form der Herrenmoral in die Schranken zu weisen. Macht es Sinn, der Erde ein Recht auf Respekt und Würde zuzugestehen, damit wir Menschen ebenso ein Recht auf Würde und Respekt formulieren können? Oder bleibt uns nichts anderes, als die Herrenmoral zu akzeptieren, müssen wirdie Menschen, Eliten, Autokraten das tun lassen, was sie als gut oder schlecht ansehen, ohne Widerspruch, ohne Widerstand?



Richtkräfte für unser Jahrhundert

am — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Was zeichnet Trumps Politik besonders aus:

Trump denkt nie moralisch oder historisch oder ideologisch. Er denkt immer rein pragmatisch. Was nützt? Wie kann ich meine Ziele erreichen? Er braucht dazu keine Ideologie, oder philosophische Überlegungen oder historischen Erkenntnis. 

Die Pragmatik gibt vor, jenseits von Gut und Böse zu agieren. Pragmatik heisst, was nützt meinem Geschäft, meinem Ziel, meiner Macht? Was nützt meiner Widerwahl. 

Und Trump hat Nachahmer. Oder anders: Der Zeitgeist, wenn es denn so etwas gibt, weht in seine Richtung: Bolsonaro, Erdogan, Orban, Chamenei, AfD, Le Pen, ich wüerde auch die SVP und christoph Blocher dazu zählen.

Der Pragmatismus führt dazu, dass ethische, völkerrechtliche, menschenrechtliche, ökologische etc Erkenntnisse und Errungenschaften keine Rolle spielen. Weil der Pragmatismus keine Bezüge schafft zur Geschichte, zur Moral, zu Vereinbarungen, die frühere generationen ausgehandelt haben. (ZB aus der erfahrung: Nie wieder Krieg, oder nie wieder einen Holocaust etc).

Jenseits von Gut und Böse (jener Titel von Nietzsches Werk über den Willen zur Macht) aber ist leider nur diesseits von Böse. 

Es kann nicht darum gehen, einfach auf Trump zu schiessen. Das macht ihn nur stärker. 

Es geht darum, Kultur wieder an die oberste Stelle zu setzen. Denn das Gute und das Schöne und das Wahre entsteht durch Kultur. 
Göbbels sagte einmal (sinngemäss): „Höre ich das Wort Kultur, greife ich zur Pistole.“ 
Die Gravitation zur Gier und zur Macht und zur Bereicherung und zur Präpotenz kann nur mit der Zerstörung von kulturellen Errungenschaften wie internationalen Verträge, Friedensabmachungen, Selbstbeschränkung der Stärkeren gegenüber den Schwachen, Institutionen gegen die Ausbeutung etc) erreicht werden. 

Diese sind aber schnell zerstört. Sie wieder aufzubauen kostet Generationen. Wer Lust auf Lektüre hat, dem empfehle ich Hannah Arend: die Banalität des Bösen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Eichmann_in_Jerusalem

Eichmann war ein 100% pragmatischer Schreibtischtäter. Nichts Böses an ihm. Aber auch keine Kultur, ausser der selbstlosen Pflicht des Untertanen, der keinesfalls seine Stimme als eine eigenständige versteht. 

Daher lohnt es sich, meiner Meinung nach, für den Menschen einzustehen und in der heutigen Situation für die Erde, oder besser noch für die Einheit des Menschen mit der Erde. 
Denn zur „neuen Kultur“ gehört die Erkenntnis:

Ich bin die Erde, die Erde ist ich. 

Dies Erkenntnis wird aus der Erfahrung geboren und genährt. Erfahrung des Lebens, des Lebendigseins. Jeder Atemzug, den wir wahr nehmen ist eine solche Erfahrung. Die Welt lebt und das Leben strebt zu anderem Leben hin.

Das ist unsere Aufgabe in dieser Zeit. Die Illusion und Falscheinschätzung unserer Stellung als Menschen in der Vorstellung von Krone der Schöpfung von so genannter Herrschaft über die Natur kann leicht durchschaut und durchbrochen werden. 

Es geht darum die Fraktale Natur/Kultur in den Schmelztiegel der Erfahrung der unio mystica zu bringen, was nichts anderes ist als die Einheitserfahrung einer Liebesbeziehung, die höchste Form von Kultur.



Kolumne So 19.12 Antigone und Quadroni

am Dezember 21, 2019 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Kolumne So 19.12 Antigone und Quadroni

Das Gesetz ist für den Menschen da

Linard Bardill*über das Edle im Menschen

Ein Herrscher tötet den Anstifter eines Aufstandes und erlässt ein Gesetz, dass jeder, der den Mann beerdigt, mit dem Tode bestraft wird. Die Schwester des Aufrührers beerdigt ihren Bruder und wird vom Tyrannen bei lebendigem Leibe eingemauert. Die Geschichte heisst «Antigone». Geschrieben hat sie der Theaterdichter Sophokles, uraufgeführt wurde sie 442 vor Christus in Athen. Sie begründet die abendländische Ethik.

Antigone ist die Schwester des Polynaikes, und sie erachtet das Gesetz ihres Herzens höher als das des Staates. Darum beerdigt sie ihren Bruder und wird dafür von Kreon, dem Vertreter des Staates, mit dem Tod bestraft. Mit diesem Theaterstück wurde die Frage, was der Mensch tun soll, neu gestellt und beantwortet. Der Mensch soll auf sein Herz hören, auf das innere Gesetz, das in ihm schlummert. Antigone steht für das individuelle Gesetz, das über dem Gesetz des Staates steht.

Das Vertrauen des Dichters in den Charakter seiner Heldin ist immens. Und er ist sich sicher, das Publikum ist auf seiner Seite. Denn im Grunde weiss jeder: Im Menschen schläft ein Gesetz, das über der Staatsräson steht. Man nennt es auch Gewissen, der Ort der Ethik, die über dem Staat und sogar über der Religion steht. «Alles Edle ist von stiller Natur und scheint zu schlafen, bis es durch Widerspruch geweckt und herausgefordert wird», sagt Goethe zu Eckermann im Gespräch über «Antigone».

Da gibt es einen Menschen, der plötzlich in einen Widerspruch hineinkommt. Er tut selbst Unrecht, bis er die Rechtfertigung, das Unrecht sei zum Überleben notwendig, als Lüge durchschaut. Was folgt, kann man nachlesen: Er deckt das Unrecht auf, und die Herrschenden rächen sich an ihm. Zwar können die Herrschendendurch juristische Tricks die Beweise einschwärzen lassen. Das Volk (im griechischen Theater: der Chor) aber weiss, wie die Herrschenden sich zusammentun, um die Faktenwahrheit, die Gerechtigkeit und das innere Gesetz dem Spott preiszugeben.

Adam Quadroni wurde von allen Beteiligten, Amtsarzt, Bezirksrichter, Kesb und Polizei, in einem mehr oder weniger orchestrierten Racheakt seines Berufes, seiner Familie und seiner Freiheit beraubt. Wer etwas anderes behauptet, weiss es nicht besser oder er lügt. Aber im Grunde wissen wir es alle. Denn wir wissen, wie Macht funktioniert und wie sich die Reichen und Mächtigen gegen ihre Enttarnung zur Wehr setzen.

Nun hat der demokratische Staat ein System der gegenseitigen Kontrolle erfunden. Dieses hat im vorliegenden Falle ein Stück weit funktioniert. Im Grossen Rat war man zu Recht stolz auf die Ergebnisse der PUK. Doch was die Regierung dann machte, war das reine Prinzip des Tyrannen Kreon. Man stelle sich vor, der zuständige Regierungsrat hätte gesagt: «Als Mensch bedauere ich, was Adam Quadroni geschehen ist. Ich entschuldige mich bei ihm, und ich werde mich dafür einsetzen, dass er Genugtuung erfährt.» Es wäre ein kleiner Satz für einen Menschen gewesen und ein grosser für die Gerechtigkeit. Es wäre wie eine Befreiung gewesen aus der Umklammerung durch die Staatsgewalt, die Erfüllung der Hoffnung, dass Antigone, dass das Gesetz des Herzens, dass ein Hauch von Ethik bis in die Politik vorgedrungen sei.

Linard Bardill ist Liederer und Autor. Er lebt in Scharans und ist Vater von fünf Kindern.



Kinderlieder

am Dezember 9, 2019 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Familienkonzert mit Bruno Brandenberger

in der Aargauer Zeitung



Offener Brief an Klaus Schwab vom WEF Kolumne SO 22.11.19

am November 22, 2019 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

offener Brief an Klaus Schwab

Linard Bardill

über das WEF und die Pressefreiheit

Sehr geehrter Herr Schwab,

Das WEF hat vor 3 Wochen der linken Wochenzeitung WOZ die AkZulassung zum WEF 2020 verweigert. Das ist bedauerlich.

Man hat die WOZ 2012 schon einmal nicht zugelassen. Damals gab das einen Sturm der Entrüstung, nicht nur im Bündner Grossen Rat, wo Mathias Trepp SP von der Bündner Regierung eine Intervention verlangte, sondern auch im Nationalrat, wo Alfred Heer (SVP) eine Anfrage beim Bundesrat einreichte. 2013 liess das WEF die WOZ wieder zu.

Das WEF ist eine internationale politische Plattform, inzwischen eine private Institution von hohem öffentlichem Interesse.

In der Schweiz gibt es ca 50 Tageszeitungen und ebensoviele Wochenzeitungen. Ausser der NZZ, der Weltwoche und der WOZ sind keine politisch links oder rechts oder einer sosnt einer Ideologie verpflichtet. Sie funktionieren nach dem Prinzip der Rentabilität, schreiben das, was geschrieben werden muss, um gekauft und gelesen zu werden.

 

Im Dokumentarfilm «Das Forum» von Marcus Vetter                 antworten sie auf die Frage, ob sie es bedauern, dass das WEF für viele zur reinen Geschäftssache geworden ist: «I regret and deplore», antworten sie, «Ich bedauere und beklage, weil das nicht die Essenz dessen darstellt, was wir beabsichtigen.»

 

Sie sind vor 49 Jahren mit einem Anspruch der Ethik angetreten: make world a better place. Glauben sie wirklich, dass sie den Zustand der Welt verbessern, wenn sie eine Zeitung ausschliessen, die nicht der Rentabilität, sondern ihrer politischen Überzeugung verpflichtet ist?

Ist nicht gerade der Rentabilitätszwang eines der Probleme, die unsere Welt zu einem schlechteren Ort werden lässt? Schätze ich sie falsch ein, wenn ich glaube, dass sie Demokratie und Pressefreiheit hochhalten? Kann es denn wirklich sein, dass sie News nach Wunsch oder gar eine Art der Hofberichterstattung den kritischen Stimmen vorziehen?

Ruth Cohn, die Erforscherin von Gruppenphänomenen sagte, wichtiger als das, was im Zentrum einer Gruppe geschehe, seien die Stimmen, die sich vom Rande her melden und gar stören. Die WOZ ist immer wieder eine solche Stimme.

Die Politiker von links bis rechts haben über die geschlossene Tür für die WOZ geschwiegen und die Schweizer Medien haben kaum darüber berichtet. Es gab keinen Aufschrei wie 2012. Ausser einem Kommentar von Frank A Mayer im Sonntagsblick herrschte Schweigen in Parlamenten und Redaktionen. Auch in dieser Zeitung.

Als Kolumnist darf ich einen solchen Brief an sie schreiben und die Frage nach der Pressefreiheit stellen.

Es gäbe aber noch ganz andere Fragen für diese Welt: Wie sieht die Lösung der sozialen Frage aus? Was sind die politischen und gesellschaftlichen Mittel, der Erde, zum einklagbaren Recht auf Würde und Respekt zu verhelfen? Gibt es Hoffnung ohne ein neues Finanz- und Wirtschaftssystem? Fragen, die an die Wurzeln der Ethik und des Systems gehen.

Das Überleben der Menschheit hängt an einem Faden, so stellt es sich immer mehr heraus. Stellt das WEF dazu die richtigen Fragen?

Wenn das WEF in eine Dynamik geraten ist, in der mehr über Geschäfte als über Ethik gesprochen wird, dann lassen sie wenigstens Menschen und Medien zu, die diese Fragen stellen. Es könnte überlebenswichtig sein für die Menschheit.

Ich bitte sie daher im Namen der 4. Gewalt, die WOZ nachträglich für das WEF 2020 zu akkreditieren

ich danke ihnen Linard Bardill