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SO – Kolumne über das WEF 11.1.2020

am Januar 11, 2019 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Lauftext:

Der Leute Widerstand

Linard Bardill*
über das WEF

Kennen sie einen Mann, der einer Frau in der Öffentlichkeit sagt, sie sei so hässlich, dass er sie nicht einmal vergewaltigen würde? Oder er würde in seinem Land am liebsten eine Militärdiktatur errichten? Der Mann heisst mit Vornamen Jair Messias. Er schwärmt von der Militärjunta, von deren Folterminister Alberto Brilhante Ustra und vom ehemaligen peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori wegen seiner Militärintervention gegen die Gerichte und das Parlament seines eigenen Landes. Er kündigte ein Vorgehen mit militärischer Härte gegen Beschützer des Amazonas-Regenwaldes und indigene Volksgruppen an, und er ist der neue Präsident von Brasilien: Jair Messias Bolsonaro.

Bolsonaro kommt nach Graubünden, ans WEF. Unsere Regierung wird ihm vielleicht die Hand reichen. Unsere Armee und Polizei werden ihn wahrscheinlich vor Terroristen beschützen. Wir, sie und ich, stehen ganz bestimmt mit unseren Steuergeldern für seine Sicherheit gerade.

Wie kommt das bei Ihnen an? Finden Sie, dass bei uns alle willkommen sein müssen? Müsste man auch Adolf Hitler, wenn er heute irgendwo als Diktator tätig wäre, in Davos begrüssen? Oder gibt es eine rote Linie? Wenn ja, wo wäre die? Bei Erdogan aus der Türkei, bei Rodrigo Duterte, dem Präsidenten aus den Philippinen, der sagte, er würde gerne – wie Hitler die Juden – die drei Millionen Drogenabhängigen der Philippinen töten. Oder beim Massenmörder Kim Jong-un? Wären sie alle in Davos willkommen? Die definitive Liste wird erst am 15. Januar publiziert. Vielleicht hat unsere Regierung ja noch einen Pfeil im Köcher für den Fall, dass Kim sich wirklich anmeldet.

Davos war einmal ein Ort der Wahrheitsfindung. Ein Ort, wo – zwischen den beiden Weltkriegen – Menschen wie Albert Einstein, Ernst Cassierer, Martin Heidegger und unzählige mehr in den Davoser Hochschultagen über die Richtkräfte des 20. Jahrhunderts nachdachten und diskutierten. Davos ist der Ort, wo die individuelle Freiheit im Davoser Freiheitsbrief von 1289 zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte schriftlich niedergelegt worden ist.

Was tun die Mächtigen und Reichen heute da oben in Davos? Ich denke nicht, dass das WEF etwas zu einer besseren Welt beiträgt.Ich glaube nicht, dass die Teilnehmer etwas zur Stärkung der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts beitragen. Sie mehren dort ihren Ruhm, ihren Gewinn und ihre Macht, that’s all!

Glauben Sie, es gehe den Armen dieser Welt dank dem WEF besser? Oder doch eher den Reichen? Ich glaube, es geht beiden schlechter! Denn die Macht muss flankiert und kontrolliert werden, sonst gerät die Welt aus den Fugen. Die Gravitation des Menschen zum Immer-mehr-haben-Wollen führt alle in den Untergang! Die Macht braucht Grenzen und Gewaltenteilung. Mehrheitsdiktaturen und Grosskonzerne, die sich nur um ihren Gewinn und um keine nationalstaatlichen Regeln scheren, werden nie freiwillig auf ihr Geld und ihren Einfluss verzichten. Darüber müsste am WEF gesprochen werden. Und über die Chancen der Zivilgesellschaft, den inzwischen hydraköpfig gewordenen Macht-Leviathan in Ketten zu legen.

Das WEF in Davos macht uns keine Ehre, denn es hat seine Ehre längst verzockt. Es rollt den Mächtigen wie Jair Messias Bolsonaro den Teppich aus, spuckt grosse Demokratie-Marketingtöne und lügt uns vor, der Zivilgesellschaft einen Nutzen zu bringen.

Es gibt in der Demokratie das Recht auf Widerstand!

Linard Bardill ist Liederer und Autor. Er lebt in Scharans und ist Vater von fünf Kindern. Einmal im Monat schreibt er an dieser Stelle, worüber er als Künstler 
und Bündner nicht den Mund halten will.



2 Gedanken zu „SO – Kolumne über das WEF 11.1.2020

  1. Wie wahr du schreibst, lieber Linard. Leider ist es so mit dem WEF. Seit velen Jahren. Warum, was ist der Kern? Es ist die falsche Strategie von Klaus Schwab. Er möchte, und das halte ich ihm zugute, eine bessere Welt schaffen. Dafür ruft er die Mächtigen dieser Welt aus Wirtschaft und Politik nach Davos ein. Und alles wird ummantelt von schönen WEF-Projekten. Diese aber bewirken wenig bis nichts für eine bessere Welt, leider. Die WEF-Teilnehmer haben nämlich ganz andere Interessen. Klaus Schwab ist da absolut machtlos, sie zu verpflichten. Und wir alle müssen seine Strategie (auch geschäftlich) mittragen, Bund, Kanton und Davos, auch und v.a. die Steuerzahler. Eine Mitsprachemöglichkeit igibt es nicht. Wer befiehlt, der bezahlt, gilt beim WEF nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Leider ist es so.

  2. Lieber Linard, Deinen Gedanken ist nichts beizufügen. Du beschreibst eine Misere, die sich in den letzten Jahren wahrhaftig zu einer grassierenden Krankheit entwickelt hat. Macht alleine ist per se nichts Schlechtes, allerdings führt unkontrollierte Macht nur allzu schnell zu Machtmissbrauch. Liebe Grüsse aus dem Kispi, Erich

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