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Die Wende, SO Kolumne vom Juni 2019

am Juni 7, 2019 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

Scharanser Zwischenrufe

 Die Wende

Das Jenseits des Schweinetrogs

«Sexualität egal. Hautfarbe egal. Religion egal. Herkunft egal. Name egal. Mensch ist Mensch.» stand auf dem Zettel. Kein Mensch ist illegal! stand da noch und da musste ich widersprechen. Es gibt sehr wohl illegale Menschen, sie heissen dann aber nicht Menschen, sondern abgewiesene Flüchtlinge. Flüchtling ist ein Wort mit ling am Schluss, wie Wüstling, Rohling oder Widerling, es ist nichts Gutes zu erwarten von ihm. Darum fällt er auch nicht unter das allgemeine Menschenrecht, man hat ein besonderes Recht für ihn geschaffen. Das humanitäre Menschenrecht, ein Schrumpf – Menschenrecht.

«Damit schaffst du dir keine Freunde», sagt meine Frau, nachdem sie den Text überflogen hatte. «Na, was soll ich denn schreiben?» «Sag, sie sollen eine Spendenaktion für den Kanton machen, die geben Hunderttausende Steuergelder aus, um ein paar wenig abgewiesene Menschen am Arbeiten zu hindern?» «Woher weißt du das?» «Von Wanja Gwerder und den Leuten vom Verein Mitenand im Ausreisezentrum in Valzaina».

Also luden wir Gwerder zu einem Podium nach Scharans ein. Mit ihm Anni Lanz, eine langjährige Menschenrechtsaktivistin, die gerade für ihr Verbrechen, einem traumatisierten Afghanen aus Italien die Flucht in die Schweiz ermöglicht zu haben, verurteilt worden ist

«Die reut das jetzt vermutlich», meinte Lanz am letzten Sonntag, als 25 Interessierte im Publikum Platz genommen hatten und ich sie gefragt, was man denn für diese Menschen tun könne, die schon seit 5 Jahren in der Schweiz sind, abgewiesen wurden und aus politischen Gründen nicht in ihr Land zurückreisen können. «So viel Publizität haben diese Menschen, denen die Menschenrechte in der Schweiz verweigert werden, wohl noch nie gehabt.» Jetzt habe sie noch den Paul Grüninger Preis bekommen, lächelte die Dame, die inzwischen weit über siebzig ist und weder Mut noch Kampfeslust verloren hat. Sie werde den Fall bis vor Bundesgericht ziehen.

«Die Lage der abgewiesenen Tibeter ist zum Teil verheerend» meinte Wanja Gwerder. Gerade die Tibeter, die ein wunderbares Beispiel seien, wie Integration gelingen könne. «Nach Tibet können sie nicht, da ihnen die Chinesen die Einreise verweigern, nach Indien können sie nicht, weil sie keinen indischen Pass haben.» Leo Mayer, der in Südamerika für das Heks arbeitet, meinte, in Honduras seien inzwischen 1 Million Venezolaner eingetroffen. «Und wir Schweizer fühlen uns von 15’000 Asylanträgen schon in die Enge getrieben!»

Wer immer an den vollen Schweinetrögen hänge, meinte der Moderator, der verliere den Blick für den Rest der Welt. Worauf wutentbrannt ein bekannter Künstler aufstand und in die «Menge» rief, die Schweiz sei ein Schweineland. Der Reichtum mache alles kaputt, die Seele und die Beziehungen.

Wanja Gwerder schaute in die Runde und meinte, wir könnten uns vielleicht gar nicht vorstellen, wie viel er von der Weltgeschichte und vom Reichtum der Völker, wie viel an Herzenswärme, Liebe und Zuversicht, Überlebensmut und Pfaditrotzallem von diesen Menschen geschenkt bekommen habe.

«Raus aus der Konfortzone!», rief meine Frau und Gwerder nickte:

«Kommt nach Valzaina, ladet einen zu euch ein, oder zwei. Da könnt ihr euer Wunder erleben.»

Ich überlegte, wo denn ich aus meiner Konfortzone heraus gehen könnte, weg vom Trog, dorthin, wo diese Menschen ohne Heimat stehen: in der Hoffnung.

 



Ein Gedanke zu „Die Wende, SO Kolumne vom Juni 2019

  1. Sehr geehrter Herr Bardill! Zum Glück gibt es solche Menschen wie Sie es sind, welche auch beschreiben was sie betrachten, oft hinter Schein-heil versteckt und doch present! Oft meinen Menschen ja, wenn sie sich ablenken (man ist ja aktiv), auch leichter ignorieren zu können. Nennen sich Realisten die klare Fakten schauen und das „eigene“ Glück nicht bewölken wollen, weil es ja nichts „bringt“ wenn man auch mit andern mitfühlt. Das Rechtssystem wird es schon richten, es ist ja dafür geschaffen. Doch gerade Tibeter, welche heute ungefragt auf dem Papier als Chinesen bezeichnet werden, bekommen doch nicht die Rechte welche man dem Chinesen zur Zeit huldigt. Da sind sie eben so versorgt, indem man sie in Ausschaffungshaft dümpeln lässt. Sie können ja nach Indien oder Nepal, theoretisch ja, doch schreibt man per „Einschreiben“ an diese Botschaften“, kommt keine Antwort. Also muss man sie irgendwo unsichtbar machen denn man will doch nicht Xi verärgern. Wie sie schreiben, in der „Hoffnung“, HOFFEN AUF EIN WUNDER, das PROBLEM diese Institutionen glauben nicht an Wunder aber hoffen. Deshalb warten ist hoffen! Dalai Lama sagt Hope is useless! Ja, so wie wir da Hoffen, find ichs auch Wunder-bar- oder wunder-lich. Wie ihre Frau sagte: Wenn man nicht still hofft sondern auch offen redet oder schreibt, gewinnt man nicht soooo viele Freunde. Gerade deshalb, ist es mein Bedürfnis, Ihnen RECHT zu geben und Danke zu sagen für Ihre realistische und sinnvolle Kolumne um den Schweinetrog und was darin so gärend wartet ;o)! Mit herzlichen Grüssen Corina

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