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Kei Wort gega d’Martullo So Kolumne Sep 19

am September 30, 2019 — in der Rubrik: Aktuelles,Artikel

«Kei Wort gega d’Martullo»

So Kolumne Sept 2019

Linard Bardill*über Waheln und die Demokratie

Als ich am vergangenen Sonntag in der Bahnunterführung meiner 84-jährigen, besten Gotte begegnete, erhob sie sogleich den Zeigefinger und senkte folgende Worte in meine Seele: «Kei Wort gega d’Martullo!» Auch ich erhob meinen Zeigefinger und zeigte auf mich: «Ich? Niemals würde ich gegen Martullo schreiben, ich will ja nicht, dass sie gewählt wird.» Diesen dialektischen Kniff verstand meine Gotte nicht sofort. «Wenn ich etwas gegen Martullo schreibe», ergänzte ich darum, «bedeutet das nur, dass sie mehr Stimmen bekommt!» Meine Gotte lächelte erst verschmitzt, dann etwas sauer. «Mit dier kamme über so Züg nid reda!», meinte sie dann und zog fröhlich von dannen. Ja, das ist Demokratie, sagte ich mir. Alle haben eine Stimme, die Grossen und die Kleinen, die Dicken und die Dünnen, die Gescheiten und die noch Gescheiteren. Und darum gibt es einen gerechten Ausgleich, einen Schnitt, einen Volksquerschnitt.

Ein Beispiel: 42 Prozent der SVP-Wähler kommen aus den unteren Einkommensklassen, das heisst, sie sind eher arm bis sehr arm und dies, obwohl die SVP die Partei für die Millionäre ist. Die SVP hat in der letzten Legislaturperiode Kinderrenten in der AHV/IV um 25 Prozent kürzen wollen. Das stellte besonders Eltern mit Behinderungen vor existenzbedrohende finanzielle Probleme. Die SVP stoppte Krippenfinanzierungen. Sie lehnte die Gleichstellung ab, weil «wir die Unterschiede zwischen Mann und Frau mögen». Schweizer Rentner sollten nicht nur weniger Geld erhalten, sondern auch länger arbeiten. «Der beste Mieterschutz wäre die Abschaffung des Mietrechts», sagen ihre Vertreter in Bern. Zudem bemühten sie sich, möglichst vielen Bezügern die EL zu kürzen oder zu streichen.

Dies alles mit der Lüge, dass sonst die Asylbewerber zu viel Sozialgelder kassieren. Ihre Vertreter drehten die Sache noch ins Absurde und kämpften dafür, dass Schweizer nicht mehr Geld als Asylanten bekommen. Fünf Franken fürs Essen pro Tag müssen reichen. Für Schweizer, bitte sehr! Dafür setzten sie sich für das Recht der Steuerflüchtlinge und die Steuerbefreiung der Konzerne ein. Ihre Nationalhymnen singenden Oligarchen benutzen die EU als Steuerparadies, und sie lügen eine AHV-Pleite herbei.

Um ehrlich zu sein, ihre Bundesgenossen aus der FDP sitzen im gleichen Boot. Nicht so laut, eher etwas «hinne umme», aber ebenso wirksam. Sie haben neulich die Klima-Segel gehisst, zwar sind es nur Pseudo-Segeli, aber Frau Gössi weiss, wie das geht.

Die SVP aber ist fadegrad, und das mag man so an ihr: Sie verleugnet den Klimawandel und holt sich ihre Stimmen von denen, die am meisten unter der Klimaveränderung leiden werden. Denn die SVP weiss, wie die Demokratie funktioniert, oder das, was von ihr übrig ist: treten gegen die Schwächeren, die Sozialbezüger, die bewegten Jugendlichen. Dann noch schnell den Arbeiterschutz aushöhlen und den Arbeitern beibringen, dass es wegen den Asylanten und der EU ist. Das bringt Stimmen.

Ich hoffe natürlich, dass möglichst wenige diese Kolumne lesen. Denn auch sie wird nur dazu beitragen, dass noch mehr die SVP wählen, und last but not least: Sie wird die Lust vermehren, gemeinsam mit Roger Köppel, Greta Thunberg auf den Mond schiessen zu wollen.

Ich liebe meine Gotte, sie hat uns als Kinder endlos Witze erzählt, und das werde ich ihr nie vergessen. Und darum habe ich auch kein Wort gegen Frau Martullo geschrieben.



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