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Linard Bardill reflektiert

Man kann über den globalen Nihilismus jammern. Man kann auf der Strasse gegen den Wahnsinn demonstrieren. Mann kann Dogmen predigen. Man kann an die Gegenkräfte leben. Ich tue alles und nichts. Ja, dem Nichts nachspüren und dem All.
Den Dingen und dem was dahinter ist, Natur und Kultur, Gott und dem Sellengrund, die vermutlich eins sind, weil alles eins ist in der geheimen Kammer unserer Herzen.
   
 
Aktuelles

Kolumne SO 16.11.18 / 16. November 2018

Kolumne in der Südostschweiz vom 16.11.2018
Scharanser Zwischenrufe
Der Leute Wut
Über Kälber und die Wahl der Metzger.

Die Wutbürger sind am Zug. Sie wollen den IV-Schmarozern an den Kragen. Sie wollen die Migranten zurück nach Afrika oder Asien schicken, und sie wollen keine fremden Richter.
Die Wutbürger haben genug. Auch in der Schweiz. Egal, was dabei alles kaputtgeschlagen wird. Sie hauen drauf. Auf die Demokratie! Auf die Menschenrechte!  Aufs Völkerrecht! Auf alles, was fremd und schwach ist. Drauf!!!
Letzthin sprach ich auf einer Raststätte mit einem Lastwagenfahrer, der mir während einer animierten Diskussion über die Emigranten sein Gebiss entgegenstreckte: ein abgebranntes Negerdorf. Verzeihung Neger darf man nicht sagen. Man darf sie zwar im Mittelmeer ersaufen lassen, aber sagen tun wir Afrikaner. Egal. Der Lastwagenfahrer erklärte mir, er habe seit 15 Jahren kein Geld, um zum Zahnarzt zu gehen, aber diesen Drecksmigranten schiebe man die Kohle nur so in den Arsch. Er habe genug von diesen verdammten Eindringlingen und wenn er mit dem Flammenwerfer drüber könnte …
Der Mann hatte eine Stinkwut und ich verstand ihn. Ich fragt ihn, wer denn sein Chef sei und er nannte mir Herrn Giezendanner, einen Namen, den man aus dem Nationalrat kennt und über den im Wikipedia steht:  Sein temperamentvolles Auftreten macht ihn zu einem häufigen Gast in Fernsehshows. Er ist bekennender Christ und unterhält einen Saurer-Oldtimerpark. Da arbeite er ja am rechten Ort, sagte ich, sein Chef setze sich mächtig ein gegen das Migrantenpack und die Sozialschmarotzer. Ja, rief der Mann aus, ich müsse nicht meinen, er interessiere sich nicht für Politik. Ob er sich selbst denn auch für die Höhe seines eigenen Lohnes interessiere? fragte ich ihn, vielleicht habe der noch mehr mit seinen Zähnen zu tun als die Migranten.
Der Mann ging auf mich los und sagte, wenn ich seine Faust in meiner Fresse haben wolle, dann soll ich seinen Chef in den Dreck ziehen. Er hatte offensichtlich begriffen, worauf ich hinauswollte. Und er schäumte.

«Immer mit der Ruhe!» sagte ich, «ich habe mehr an eine Demo gedacht gegen die Dreckschweine, die ihre Leute so mies bezahlen und ausbeuten, dass sie ihre Zähne seit 15 Jahren nicht mehr flicken können.»
Das war dann zu viel. Der Mann, vermutlich um mich nicht spitalreif zu schlagen, verliess die Raststätte und ich überlegte mir, was ich falsch gemacht hatte.
Ich hätte so gern mit ihm über die Selbstbestimmungsinitiative gesprochen. Da wird den Leuten ja auch die Selbstbestimmung versprochen und dabei nimmt man ihnen diese gerade weg.
Mit der Wut ist es so eine Sache. Eigentlich ist sie doch gut. Sie hilft uns, dass wir uns wehren, wenn wir verscheissert werden. Um herauszufinden, wofür wir uns stark machen und gegen welchen Gegner wir kämpfen, dafür müssen wir etwas abkühlen und überlegen.
Sonst kommen die wahren Demokratie-Trojaner und machen uns weiss, dass ihr Recht über allen anderen stehe.
Stellen sie sich nur mal vor, der Herr Gietzendanner wäre der Meinung, alle demonstrierenden Lastwagenfahrer gehörten ins Gefängnis. Und er macht ein Gesetz mit seinen Spiessgesellen im Nationalrat, und das Volk sagt ja? Wo sollten wir uns dann noch hinwenden, wir, die wir auf das Recht für freie Meinung pochen? Nirgends! Ausser sie stimmen in einer Woche gegen diese hochbekloppte Initiative mit dem scheinheiligen Namen: Selbstbestimmung. Sie wurde von den Feinden der Demokratie gemacht.

 

 

   
 


 


 


 


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