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Linard Bardill reflektiert

Man kann über den globalen Nihilismus jammern. Man kann auf der Strasse gegen den Wahnsinn demonstrieren. Mann kann Dogmen predigen. Man kann an die Gegenkräfte leben. Ich tue alles und nichts. Ja, dem Nichts nachspüren und dem All.
Den Dingen und dem was dahinter ist, Natur und Kultur, Gott und dem Sellengrund, die vermutlich eins sind, weil alles eins ist in der geheimen Kammer unserer Herzen.
   
 
Aktuelles

Die Wende, SO Kolumne vom Juni 2019 / 7. Juni 2019

Scharanser Zwischenrufe

 Die Wende

Das Jenseits des Schweinetrogs

«Sexualität egal. Hautfarbe egal. Religion egal. Herkunft egal. Name egal. Mensch ist Mensch.» stand auf dem Zettel. Kein Mensch ist illegal! stand da noch und da musste ich widersprechen. Es gibt sehr wohl illegale Menschen, sie heissen dann aber nicht Menschen, sondern abgewiesene Flüchtlinge. Flüchtling ist ein Wort mit ling am Schluss, wie Wüstling, Rohling oder Widerling, es ist nichts Gutes zu erwarten von ihm. Darum fällt er auch nicht unter das allgemeine Menschenrecht, man hat ein besonderes Recht für ihn geschaffen. Das humanitäre Menschenrecht, ein Schrumpf – Menschenrecht.

«Damit schaffst du dir keine Freunde», sagt meine Frau, nachdem sie den Text überflogen hatte. «Na, was soll ich denn schreiben?» «Sag, sie sollen eine Spendenaktion für den Kanton machen, die geben Hunderttausende Steuergelder aus, um ein paar wenig abgewiesene Menschen am Arbeiten zu hindern?» «Woher weißt du das?» «Von Wanja Gwerder und den Leuten vom Verein Mitenand im Ausreisezentrum in Valzaina».

Also luden wir Gwerder zu einem Podium nach Scharans ein. Mit ihm Anni Lanz, eine langjährige Menschenrechtsaktivistin, die gerade für ihr Verbrechen, einem traumatisierten Afghanen aus Italien die Flucht in die Schweiz ermöglicht zu haben, verurteilt worden ist

«Die reut das jetzt vermutlich», meinte Lanz am letzten Sonntag, als 25 Interessierte im Publikum Platz genommen hatten und ich sie gefragt, was man denn für diese Menschen tun könne, die schon seit 5 Jahren in der Schweiz sind, abgewiesen wurden und aus politischen Gründen nicht in ihr Land zurückreisen können. «So viel Publizität haben diese Menschen, denen die Menschenrechte in der Schweiz verweigert werden, wohl noch nie gehabt.» Jetzt habe sie noch den Paul Grüninger Preis bekommen, lächelte die Dame, die inzwischen weit über siebzig ist und weder Mut noch Kampfeslust verloren hat. Sie werde den Fall bis vor Bundesgericht ziehen.

«Die Lage der abgewiesenen Tibeter ist zum Teil verheerend» meinte Wanja Gwerder. Gerade die Tibeter, die ein wunderbares Beispiel seien, wie Integration gelingen könne. «Nach Tibet können sie nicht, da ihnen die Chinesen die Einreise verweigern, nach Indien können sie nicht, weil sie keinen indischen Pass haben.» Leo Mayer, der in Südamerika für das Heks arbeitet, meinte, in Honduras seien inzwischen 1 Million Venezolaner eingetroffen. «Und wir Schweizer fühlen uns von 15’000 Asylanträgen schon in die Enge getrieben!»

Wer immer an den vollen Schweinetrögen hänge, meinte der Moderator, der verliere den Blick für den Rest der Welt. Worauf wutentbrannt ein bekannter Künstler aufstand und in die «Menge» rief, die Schweiz sei ein Schweineland. Der Reichtum mache alles kaputt, die Seele und die Beziehungen.

Wanja Gwerder schaute in die Runde und meinte, wir könnten uns vielleicht gar nicht vorstellen, wie viel er von der Weltgeschichte und vom Reichtum der Völker, wie viel an Herzenswärme, Liebe und Zuversicht, Überlebensmut und Pfaditrotzallem von diesen Menschen geschenkt bekommen habe.

«Raus aus der Konfortzone!», rief meine Frau und Gwerder nickte:

«Kommt nach Valzaina, ladet einen zu euch ein, oder zwei. Da könnt ihr euer Wunder erleben.»

Ich überlegte, wo denn ich aus meiner Konfortzone heraus gehen könnte, weg vom Trog, dorthin, wo diese Menschen ohne Heimat stehen: in der Hoffnung.

 

   
 


 


 


 


Videogalerie


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Linard Bardill




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