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Linard Bardill reflektiert

Man kann über den globalen Nihilismus jammern. Man kann auf der Strasse gegen den Wahnsinn demonstrieren. Mann kann Dogmen predigen. Man kann an die Gegenkräfte leben. Ich tue alles und nichts. Ja, dem Nichts nachspüren und dem All.
Den Dingen und dem was dahinter ist, Natur und Kultur, Gott und dem Sellengrund, die vermutlich eins sind, weil alles eins ist in der geheimen Kammer unserer Herzen.
   
 
Aktuelles

SO – Kolumne Juli 100 Jahre Lia Rumantscha / 15. Juli 2019

die Lia Rumantscha hat Geburtstag
100 Jahre genutzte und verpasste Chancen

Scharanser Zwischenrufe

 Cumplir ils ons / Geburtstag

Linard Bardill

über 100 Jahre genutzte und verpasste Chancen

Cumplir ils ons bedeutet auf romanisch: die Jahre voll machen. Die deutsche Sprache geht zurück an den Tag der Geburt, im Romanischen gehen wir an den Tag der Erfüllung, ins Jetzt.
Die Lia Rumantscha erfüllt dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Sie und die Romanen feiern in Zuoz das Leben und Überleben ihrer Sprache.
Feiern ist immer gut. Es bedeutet Begegnung und Bezug. Davon leben wir Menschen, denn die anthropologische Mutation, der wir in der Moderne ausgesetzt sind, führt dahin, dass Begegnung und Bezugnahme immer weniger selbstverständlich sind.
Den Gedanken der Mutation des Menschen hat der Jahrhundertkünstler Pierre Paolo Pasolini in den 60er Jahren in seinen Freibeuterschriften ausgeführt. Pasolini war Rätoromane. Er wuchs im Friaul auf, wo 600’000 Menschen heute noch das Friulan sprechen, dem Bündner Romanischen verwandt, wie das Ladin der Dolomiten.

Pasolini forderte den Zusammenschluss der Alpengebiete von Wien bis Nizza mit der Hauptstadt Chur und dem Rätoromanischen als Inspirationsquelle. Diese kühne Idee ist nie aufgenommen worden. Schade!

Auf der 100erter Note steht cent francs.

Die Lia Rumantscha half entscheidend mit, dass das Romanische zur Landessprache erklärt wurde. Das Projekt des «Dicziunari Rumantsch Grischun» hat sie angestossen, den Auftrag, eine Schriftsprache für alle Romanen auszuarbeiten, hat sie erteilt. Sie lud zur «Scuntrada» ein, installierte die linguistische Datenbank «Pledari grond», stiess die Tageszeitung «Quotidiana» an.

Da ist viel gemacht worden, das man feiern kann.

Was die Lia und die Bündner Politik neben der über den Kantonsrand hinausschauenden Perspektive allerdings auch verpasst haben, ist, das Territorialprinzip in die Kantonsverfassung zu schreiben. Der Schwund des Romanischen hat viel damit zu tun. Die grosse Mutter Lia hat sich 100 Jahre eingesetzt, ohne den anderen weh zu tun.

Aufgebläht stattdessen wurde ein Apparat der trillinguistischen Korrektheit, die den Menschen oft wenig bringt.

Heute verlagert man das Territorialprinzip in die ganze Schweiz. 1/3 der Romanen leben im Unterland. Die Schweiz als Ganzes sei deshalb als Gebiet der vierten Landessprache anzusehen und Fördermassnahmen müssten diesem Umstand Rechnung tragen, forderte 2018 Johannes Flury, der Präsident der Lia am Jubiläum 80 Jahre Romanisch als Landessprache. Ja, da steckt Voraussicht drin. Was bedeuten 10’000 Rätoromanen in Zürich, wenn sie nicht zusammenkommen?

Dieses supponierte Territorialprinzip müsste auch in Graubünden ins Bewusstsein treten. Unterstützung für die Sprache, dort wo sie gesprochen wird: Bei den Kindern, bei den Chören, am Stammtisch, in den Vereinen, Jugendhäusern, Kultureinrichtungen, den Gemeinden, mit Fantasie und Demut. Die Mehrsprachigkeit, wie sie heute in Form von Übersetzungsschlachten stattfindet – meist für Beamte und Politiker, welche die Texte sowieso in deutsch lesen, ist zu hinterfragen. Die Liebe, die Begeisterung, la cumpagnia, der romanische Alltag der Bevölkerung, sie müssen im Zentrum der kommenden 100 Jahre stehen.  Impressarios vor Ort sollte es geben, die wissen wo der Schuh drückt und die Menschen vor Ort unterstützen.

Feiern wir mit der Lia mit, freuen wir uns über das Erreichte, geben wir uns aber nicht mit dem Erreichten zufrieden. Ils ons as cumpischen uossa! Die Jahre erfüllen sich jetzt!

 

   
 


 


 


 


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