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Spitalbesuch Anfangs Juni

am Juni 7, 2011 — in der Rubrik: Zauberbett

Liebe Alexandra,

Gestern war es wieder unglaublich dicht und intensiv. Die Idee in die Wartezone zu gehen und die Kinder, die vielleicht noch nie im Spital waren und nun auf eine Untersuchung warteten einen Moment für etwas anderes zu holen, fand ich super! Da war das Mädchen, dass am Tischchen sass und malte. Es schien gar nicht zuzuhören, war ganz versunken in ihre Tätigkeit. Und am Schluss steckte sie mir ihre Zeichnung mit einem Maienkäfer zu: „Das habe ich für dich gemalt!“,

Auf den Zimmern der Chirurgie war die ca. 15 jährige I. noch da mit ihren schweren Verbrennungen. Sie sagte, nächstes Wochenende dürfe sie nach Hause. Zwei Monate war sie jetzt da und freute sich sehr. ihr Gesicht schaute aus den Kompressionsverbänden heraus. Eine junge Frau, voller Leben und Erwartung. Ich sang ihr das Lied vom Regenbogen. Die Arbeit läuft nicht davon, aber der Regenbogen wartet nicht bis die Arbeit getan ist.

Ich weiss meistens nicht, was ich singen soll. Erst, wenn ich im Zimmer stehe, fällt mir ein Lied ein, und dann das nächste.

Es gibt Kinder die einfach nur da liegen oder sogar schlafen. Andere klatschen mit.

„Nein, lieber nicht!“, sagte eine Mutter auf die Frage, ob wir kommen sollen, „sie hat heute nicht ihren besten Tag …“ Doch das Kind, ein 10 jähriges Mädchen rief: “Nein! Ich will!“ Wir traten ein. Und das Zimmer schien sich ganz schnell von einer bedrückten Höhle zu einem lichten Zelt zu verwandeln Was haben wir gelacht und gefeixt. Frösche imitiert und einen Esel geritten.  Ich stelle mir vor, wie es war, als wir selbst eine Woche im Spital waren mit unserem kleinen Buddha. Irgendwann fällt einem die Decke auf den Kopf. Und das überträgt sich aufs Kind. Doch es braucht nur wenig, und schon kippt die Situation. Plötzlich scheint alles gut zu werden.

Da taucht M. der Chef Chirurgie auf. Ein alter Freund und Witzbold. Er singt sofort mit,: „d’Frau Summer kunnt mit Fahne, und rägeschwärem Gwand, zücht singend ihri Bahne dur ds’sunnewiiti Land.“ Martin, du bist engagiert. Schliesslich ist er an meinem Engagement nicht ganz unschuldig. Clemens, sein Kollege, der die Abteilung Verbrennungen leitet, bringt ein Buch über die Station, das er und seine MitarbeiterInnen gemacht hat. Wir tauschen. Er bekommt die Cd mit dem Lied „uf und furt“ und mir schreibt er eine Widmung ins Buch: Bücher sind dicke Briefe an Freunde. Dankeschön!

Es ist so wichtig, wie die Pflegenden auf unsere Besuche reagieren. Wenn sie ihn gut finden, klappt alles gleich lhell und wunderbar. Spürt man Distanz, oder kommt sich als Fremder vor, ist es etwas schwieriger.

Eine Begegnung bleibt mir bestimmt noch lange. Es ist der Blick und das Gesicht, das Lachen, die überschäumende Freude eines mehrfach behinderten Jungen, der nur liegen kann, mit angezogenen Beinen und Armen. Ich habe für in den Tiger auf der Strasse gesungen. Er gurgelte und quietschte vor Freude. Kein Kind hat so viel Präsenz und Leuchten, so viel Herzkraft, die er mir zurückstrahlt. Wie ein kleines Kraftwerk, das ununterbrochen pulsiert.
Ich war müde als ich nach 3 Stunden das Spital verliess. Müde und aufgeladen. Gibt es das?



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